Full text : Das Baugewerbe in der Volks-, Berufs- und Betriebszählung von 1925

HNO

gemäßen Berufsausbildung führen, bewegt heute in erster Linie
die Gemüter. Die andere Seite des Problems, nämlich die Frage,
ob ein zahlenmäßig genügender Nachwuchs vorhanden ist, ist demgegenüber
 etwas zurückgetreten, wird aber voraussichtlich in
den nächsten Jahren in den Vordergrund rücken. Wie auf so
vielen Gebieten unseres wirtschaftlichen und sozialen Lebens,
so stehen wir auch in der Frage der Berufsausbildung in einer
Uebergangszeit. Die altüberkommene Methode der Handwerks-Jehre,
 bei der die Sorge um das Können der kommenden Generation
den Handwerksmeistern und den Innungen, also fast ausschließlich
den Inhabern von Kleinbetrieben, vorbehalten bleibt, hat aus
den verschiedensten Lagern Gegner auf den Plan gerufen. Von
gewerkschaftlicher Seite ist in Uebereinstimmung mit den Forderungen
 der Industrie, die häufig einen im Kleinbetrieb ausgebildeten
Lehrling an den modernen Maschinen und Einrichtungen eines Großbetriebes
 nicht verwenden kann und daher oft erst neu ausbilden
muß, eine Aenderung der gesetzlichen Bestimmungen, die auf eine
Art Monopol der Handwerksmeister hinausliefen, angestrebt worden.
Die Gewerkschaften haben sich dabei auch der sozialen Stellung der
Lehrlinge angenommen und haben ständig um eine tarifliche Regelung
 der Lehrlingsverhältnisse gekämpft. Alle diese Dinge sind noch
im Fluß; das neue Berufsausbildungsgesetz ist ein Anfang, der den
Beweis liefert, daß der Versuch gemacht wird, die rechtliche Regelung
 den tatsächlichen Verhältnissen und den neuzeitlichen Bedürfnissen
 anzupassen. Für das Baugewerbe, das noch zu einem
verhältnismäßig großen Teil handwerklich organisiert ist, spielen
diese Fragen vielleicht noch nicht die gleiche Rolle wie zum Beispiel
in der Metallindustrie, in der vielfach die Großbetriebe vorherrschen
und trotzdem die Lehrlingsausbildung noch zum größten Teil in den
Händen des Handwerks liegt. Unter den Gesichtspunkten der Tarifvertragspolitik
 und der Lohnpolitik ist das Nachwuchsproblem jedoch
auch für das Baugewerbe von größter Bedeutung.
Die Ergebnisse der amtlichen Berufs- und Betriebszählung bieten
zum ersten Male seit langer Zeit einen umfassenden Ueberblick über
den Stand der Nachwuchsfrage; denn alles von den beteiligten
Organisationen in oft recht mühevoller Arbeit zusammengetragene
Material ist immer zur Unvollständigkeit verurteilt, da nie alle
Betriebe, vor allen Dingen nie alle kleineren und kleinsten Betriebe,
erfaßt werden können. Die Zahl der Lehrlinge und ihre Verteilung
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.