388
Der Interventionismus an den Universitäten
und dem Zusammenwirken vieler Zeitgenossen verdankt. Daraus
entwickelt sich die Bereitwilligkeit, Opfer für die Besserung der
Lage der Arbeiterklassen zu bringen 1 ).
Es genügt jedoch nicht, die allgemeine Idee eines demo
kratischen Ideals der Prüfung durch die historische Methode
zu unterwerfen. Dieses Ideal bleibt sehr unbestimmt, wenn man
es nicht zu einem Organisationsprogramm ausarbeitet, dessen
Linien genau gezeichnet sein müssen. Hier gilt es nun be
sonders, um sich vor Irrtümern und abenteuerlichen Zukunfts
visionen zu schützen, sich gewissenhaft an die realistische Be
obachtung der vorhandenen Entwicklungskräfte zu halten. Wir
können Bourguin unmöglich in alle Details des Organisations-
Programms, das er aus den Entwicklungstendenzen der Gegen
wart induziert, folgen. Wir wollen nur einige Hauptzüge des
selben skizzieren.
Das Privateigentum wird in der Wirtschaftsordnung der Zu
kunft durch die Steuergesetze und die Ausdehnung der Arbeiter
schutzgesetze von seinem absoluten Charakter einbüßen und
sich eine „Legierung“ mit kollektiven Rechten gefallen lassen
müssen. Das kollektive Eigentum wird eine große Ausdehnung
erfahren 2 ).
Die Wohlfahrtseinrichtungen der Arbeitgeber scheinen gegen
über dem self help der Arbeiter zum Rückgang verurteilt 3 ). Die
Berufsvereine der Arbeiter haben eine große Zukunft. Nichts
destoweniger bleibt die fortschreitende Entwicklung der Arbeiter-
1) ibid. p. 354—355.
2 ) ibid. p. 385—386.
3 ) Aber deswegen soll sich doch der Arbeitgeber keineswegs auf die Rolle
eines Arbeitskäufers beschränken. Der Arbeitgeber der Zukunft wird seine Ar
beiter nicht als Untergebene und Beschützte, sondern als Menschen behandeln,
welche Rechte haben, die den seinen gleich sind. Diese Rechte freier Männer
wird er den Arbeitern nicht nur in ihrem Privatleben, in ihrem Gewissen und
in der Ausübung ihrer politischen Rechte, sondern auch an der Arbeitsstätte,
als Kontrahenten im Arbeitsvertrag, anerkennen. Er wird sich an den gerechten
Lohn und die normale Arbeitszeit, welche unter Anerkennung durch die Gewerk
vereine für seinen Bezirk und sein Gewerbe gelten, halten. Er wird loyal mit
den Arbeiterorganisationen unterhandeln. Er wird für die Hygiene, die An
nehmlichkeit, die Ästhetik der Arbeitsstätte sorgen. Will er absolut Wohlfahrts
einrichtungen errichten, so möge er es für die Kinder tun. Diejenigen, welche
die Erwachsenen angehen, überlasse er der Initiative und Leitung der Arbeiter,
ibid. p. 360 ff.