— 174
In den Altersklassen unter 40 Jahren ist der Anteil heute kleiner
als früher. Bei den Maurermeistern waren vor dem Kriege 40,4 %
unter 40 Jahre alt, im Jahre 1925 sind es nur noch 28,9 %, Bei den
Glasern ist der Rückgang der Jüngeren noch stärker, nämlich von
12,3 % auf 26,5 %. Man darf allerdings nicht übersehen, daß durch
die Kriegsverluste auch in der Alterszusammensetzung der Gesamt-
zahl aller Erwerbstätigen Verschiebungen eingetreten sind. Vor dem
Kriege waren 66,3 % aller erwerbstätigen Männer jünger als 40 Jahre,
heute dagegen nur noch 61,8 %, Die Spanne ist bei den Maurer- und
Glasermeistern aber größer als bei den übrigen Erwerbstätigen, so
daß auch über die Wirkungen der Kriegsverluste hinaus eine Ueber-
alterung festzustellen ist.
Der Uebergang zur Selbständigkeit wird also auch für die Bau-
arbeiter immer seltener werden, da diese wohl unabänderliche Tat-
sache im Zuge der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung Kiegt.
VI. Bauarbeiter und Nebenberulfe.
Die Abhängigkeit der Bauarbeit von der Witterung hat die Bau-
arbeiterschaft seit jeher stärker als andere Berufe der Gefahr der
Arbeitslosigkeit ausgesetzt, die sich besonders in einem saison-
mäßigen Ansteigen der Arbeitslosenzahlen im Winter auswirkte. Alle
organisatorischen Maßnahmen im Bauwesen haben bisher die un-
liebsamen Einflüsse der Natur nicht ausschalten können. Es ist daher
erklärlich, daß die Bauarbeiterschaft bestrebt sein muß, sich diesen
Gefahren nach Möglichkeit zu entziehen. Es stehen hier verschiedene
Wege offen; das Streben nach einem möglichst hohen Lohn, der Er-
sparnisse für die Zeit der Arbeitslosigkeit ermöglicht, das Streben
nach dem Ausbau der behördlichen oder der gewerkschaftlichen
Arbeitslosenversicherung und nicht zuletzt die Ausübung eines
zweiten Berufes, um so durch eine andersgeartete Arbeit den Lohn-
ausfall in den Zeiten der Arbeitslosigkeit zu überwinden. Als zweite
Erwerbsquelle kommt in erster Linie eine Betätigung in der Land-
wirtschaft, und zwar die selbständige Bewirtschaftung eines kleinen
Besitztums oder eines Pachtgrundstücks in Frage. Es liegt hierin
zwar keine zeitliche Arbeitsteilung; denn die Landwirtschaft er-
fordert ebenfalls im Sommer die größte Arbeitsleistung, und mancher
Maurer, der tagsüber in der Stadt gearbeitet hat und mit der Bahn
oder dem Rade abends zurückkehrt, muß dann noch die Sense zur
Hand nehmen. Die Bewirtschaftung des Besitzes ruht daher zum