Full text: Theoretische Sozialökonomie

8 8. Kapital und Einkommen in der Geldwirtschaft. 6} 
häufig durchmacht, als „festes Kapital‘ dagegen, wenn es so angelegt 
ist, daß es auf längere Zeit einer Realisation in Geld entzogen ist. Dieser 
Unterschied ist aber sehr relativ und fällt gar nicht mit dem von uns 
oben gemachten Unterschied zwischen beweglichem und festem Real- 
kapital zusammen. Wohl nimmt das bewegliche Realkapital in der 
ausgebildeten Tauschwirtschaft insofern eine Sonderstellung ein, als 
es im normalen Verlauf der Produktion von einem Unternehmen zum 
anderen übergeht, bis es in der Produktion verbraucht oder in festes 
Realkapital verwandelt wird, oder schließlich als fertiges Produkt an 
die Konsumtion gelangt. Bei der tauschwirtschaftlichen Organisation 
der Produktion liegt ein häufiger Umsatz des beweglichen Realkapitals 
in der Natur der Dinge. Nicht so mit dem festen Realkapital. Es bleibt 
im normalen Verlauf der Dinge in dem Unternehmen, wo es gebraucht 
wird, und kann oft gar nicht oder wenigstens nur unter großen Schwierig- 
keiten und Verlusten in einen anderen Produktionszweig übergeführt 
werden. Das feste Realkapital stellt also vom geldwirtschaftlichen 
Gesichtspunkt ein mehr oder weniger festgelegtes Kapital dar. Der 
geldwirtschaftliche Verkehr hat aber auch diese Festlegung des Kapitals 
des einzelnen in großem Umfang überwunden, insofern nämlich als 
Aktien und Pfandbriefe, die dieses Kapital vertreten, auf der Börse 
regelmäßig gehandelt werden und also jederzeit leicht verkauft werden 
können. Darin liegt sozusagen eine künstliche Mobilisierung des Kapi- 
tals, die das in festem Realkapital, in Grund und Boden oder in lang- 
fristigen oder sogar ewigen Darlehen festgelegte Kapital wieder be- 
weglich macht. Die starke Relativität der geldwirtschaftlichen Unter- 
scheidung zwischen beweglichem und festem Kapital tritt in diesen 
Verhältnissen klar zutage. 
Das wirtschaftliche Streben, Mittel zur Deckung der Bedürfnis- 
befriedigung zu schaffen, tritt in der ausgebildeten Geldwirtschaft 
wesentlich in der Form eines Strebens nach Gelderwerb hervor. Die 
Geldsumme, die die einzelne Wirtschaft in einer gewissen Periode er- 
wirbt, erscheint dann als das eigentliche „Einkommen‘‘ der Wirtschaft. 
Die verschiedenen materiellen Güter und Dienste, die das Realein- 
kommen der Wirtschaft ausmachen, treten in den Hintergrund als 
spezielle Anwendungen der Geldsumme, während diese als die einheit- 
liche und wesentliche Zusammenfassung des Einkommens aufgefaßt 
wird, Dies geht so weit, daß auch dasjenige Realeinkommen, das direkt 
in der eigenen Wirtschaft produziert und konsumiert wird, in Geld 
geschätzt und mit den etwaigen Geldeinnahmen zusammengerechnet 
und erst in dieser Form von der allgemeinen Vorstellung als Einkommen 
aufgefaßt wird. 
Über das Geldeinkommen kann nach Belieben verfügt werden, die 
ganze Summe muß aber in der Einkommensperiode verausgabt werden, 
entweder zur Zahlung der Konsumtion der Wirtschaft oder zum Erwerb 
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