kleine Summe im Vergleich mit dem viel größeren
Kapital der Central, so daß die neue Bahn bei ihrer
Tarifpolitik große Vorteile haben würde. Das Publi-
kum nahm diese Versicherung gläubig hin und zeich-
nete freigebig.
{n zwei Jahren aber schon kam die Wahrheit an
den Tag. Die Öffentlichkeit erfuhr, daß der Kontrakt
zwischen der West Shore und der Baugesellschaft
völlig zum Vorteil der letzteren war. Schon die Bau-
ausführung nach diesem Vertrag mußte die Gesell-
schaft zum Bankrott bringen. Der Bau von 600 Kilo-
meter doppelgleisiger und 20 Kilometer eingleisiger
Trasse erforderte nach ihm beinahe 76 Millionen,
während die West Shore nur 40 Millionen in An-
leihen und 30 Millionen Aktienkapital hatte, wovon
nur ein Teil flüssig gemacht werden konnte. Mit dem
Fortschreiten des Baues erhöhten sich auch .die
Kosten, und zwar sprungweise, ebenso die Schul-
den. Nicht weniger als 250 Prozesse wurden gegen
die Bahn anhängig gemacht, die vielen anderen An-
sprüche gar nicht zu erwähnen.
Die Verwaltung suchte verzweifelt nach Mitteln,
die Bahn auf einen annehmbaren Betrieb zu bringen,
Die Tarife wurden derartig niedrig angesetzt, daß sie
den Verkehr von der Central fortzogen, wodurch
diese zwar geschädigt wurde, die West Shore aber
auch keinen Nutzen hatte. Unfähig, das Kapital zu
verzinsen, ja auch nur die Betriebsausgaben zu decken
und außerdem in schlechtem Zustande, wurde die Bahn
im Frühjahr 1885 unter Zwangsverwaltung gestellt.
Um die Kosten zu decken, mußte der Verwalter
Schuldverschreibungen ausgeben, und da die niedrigen
Tarife die aus dem Verkehr eingehenden Summen
niedrig hielten, mußten immer mehr Verschreibungen
ausgegeben werden, bis die Bahn mit einem Verlust
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