Trane
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Trane
strahlen und enthält daher unter dem Mikro
skope wahrnehmbare Zellreste und Stärkekörn
chen. Beim Eintritt der feuchten Jahreszeit
schwillt die Masse durch Aufnahme von Wasser
bedeutend an und wird infolge des erzeugten
Druckes durch Risse und Spalten oder auch
wohl künstlich angebrachte Einschnitte oder
Stiche ins Freie gepreßt. Die Einsammlung ge
schieht im Juni. Die Masse erhärtet bei gutem
Wetter in 3—4 Tagen und nimmt diejenige
Form an, welche der Austrittsöffnung entspricht.
Man hat daher band- oder blätterartige, wurm-
oder nudelförmig gewundene Stücke und klum
pige Massen. Der aus Anzapfungen erhaltene
T. soll stets besser sein als der freiwillig aus
geflossene. — Nach der Herkunft unterscheidet
man: Smyrnaer oder Blättertragant von
Astragalus verus aus dem Inneren Kleinasiens,
die beste und teuerste Sorte, in großen flachen,
gewellten Stücken; Moreatragant oder Ver-
mizell von Astragalus creticus, wurm-, faden-
oder nudelförmige Massen von Griechenland
und Kreta; syrischen oder Aleppotragant
aus den syrischen Gebirgen von Astragalus
gummiferus und anderen Arten, in verschie
denen flachen, zapfenartigen, gedrehten und
anderen Formen und den persischen Kugel
tragant, eine geringere Sorte. Unter Smyrna-
und Moreaware gibt es Stücke von milchweißer
oder nur schwach gelblicher Farbe, die aus
gesucht den elegierten T. bilden, während die
gelblichen, bräunlichen und unreinen Stücke die
Mittel- und gewöhnlichen Sorten liefern. Sy
rische und persische Ware ist durchweg gelb
lich oder bräunlich bis braun. Unter dem Namen
Traganton kommen dunkelfarbige, unregel
mäßige Klumpen in den Handel. — Der T. ist
eine hornartig feste und starre, mehr zähe als
spröde Masse, die sich erst nach vorhergegan
gener Erwärmung pulvern läßt. Er enthält
wenig eigentliches, in Wasser lösliches Gummi,
vielmehr hauptsächlich Bassorin, einen Stoff,
der in Wasser nur zu einer großen Menge
Schleim aufquillt, eingetrocknet aber wieder die
unveränderte Tragantmasse darstellt. D er Schleim
gibt ein gutes Bindemittel ab und findet viel
seitige Anwendung zu Pastillen und Konditorei
waren, zum Verdicken von Druckfarben, zur
Anfertigung von Tuschfarben für Wassermalerei,
zur Bereitung bildsamer Massen für Abdrücke
und zum Appretieren von Zeugen. Teige aus
Trägantschleira und Kreide oder Bleiweiß, die
nach dem Trocknen außerordentlich harte
Massen ergeben, könneri zu zahlreichen Zwek-
ken der Bildnerei gebraucht werden. Zur
schnellen Herstellung von Tragantschleim aus
Tragantpulver durchfeuchtet man das letztere
mit einigen Prozenten Alkohol und schüttelt
dann rasch mit der nötigen Menge Wasser
(1 : 50—I : 100) durch.
Trane (lat. Oleum jecoris s. Oleum ceti s.
Oleum piscium, frz. Huile de baieine, Huile de
poisson, engl. Train-oil, Fish-oil). Unter diesem
Namen faßt man alle aus Fischen und Walen
gewonnenen flüssigen Fette zusammen, die
je nach der Abstammung als Fischöle, Leber
öle und eigentliche Trane unterschieden
werden. Die Leberöle sind in einem besonderen
Abschnitt Lebertran besprochen worden.
Die T. bestehen im allgemeinen aus flüssigen
Fettsäureglyzeriden und haben in frischem Zu
stande eine neutrale Reaktion, helle Farbe und
schwachen Geruch. Die bei der Handelsware
meist beobachteten unangenehmen Eigenschaf
ten, übler Geruch, braune Färbung und hohe
Ranzigkeit beruhen oft lediglich auf der un
zweckmäßigen Gewinnungsweise. Die flüssigen
Fettsäuren der T. gehören meist der Ölsäure
reihe an, von der bis jetzt Ölsäure, Gadolein-
säure, Erukasäure und Physetölsäure mit Sicher
heit nachgewiesen sind. Die festen Fettsäuren
bestehen hauptsächlich aus Palmitinsäure. Unter
den eigentlichen T. hat der Walfischtran
(Whale-oil) die größte Bedeutung. Zu seiner
Gewinnung wurden früher die Speckseiten der
erlegten Tiere in Fässer gepackt, nach längerer
Zeit an Land geschafft und hier in Gefäße mit
siebartig durchlöcherten Doppelböden gebracht.
Der freiwillig ausfließende T. hatte infolge der
Verwendung des meist in Fäulnis übergegan
genen Specks eine braune Farbe und ekelhaften
Geruch. Neuerdings wird der Speck oder auch
das Fleisch in Autoklaven ausgekocht, wobei
ein helleres und nahezu geruchloses Öl entsteht.
Von einem einzigen ausgewachsenen Wal wer
den 200—300 Ztr. T. gewonnen. Die kleineren
Südseewale geben eine geringere Ausbeute,,
aber dafür eine wertvollere Sorte. Bei längerem
Stehen scheiden sich aus dem T. größere Men
gen fester Fette ab, die zur Herstellung von
Seifen Verwendung finden. Der Rest wird viel
fach noch zur Bleichung mit Chlorkalk, Kalium
dichromat, Kaliumpermanganat oder anderen
Oxydationsmitteln behandelt. Er hat dann je
nach der Gewinnung eine hellgelbe bis dunkel
braune Farbe, ein spez. Gew. von 0,920 und
einen wechselnden Gehalt an freien Fettsäuren.
— Der Robbentran (Seehundstran, Neu-
fundlandstran, engl. Dog-fish-oil) kommt
hauptsächlich von Neufundland, wo im Früh
jahr alljährlich 700—800000 Robben gefangen
werden, und wird meist höher geschätzt als der
Waltran, dem er im übrigen nach äußerer Be
schaffenheit und chemischer Zusammensetzung
ganz ähnlich ist. Infolge einer künstlichen Blei
chung hat er meist eine helle Farbe. — Del-
phintran , (frz. Huile de dauphin, engl. Dol-
phin-oil, Blackfish-oil) vom schwarzen Delphin
(Delphinus globiceps) und Meerschweinchen
oder Braunfischtran (frz. Huile de marsouin,
engl. Porpoise-oil) von Delphinus Phocaena
werden durch Auskochen der ganzen Tiere dar
gestellt und sind etwas dünnflüssiger und heller
als die übrigen T. Aus den Kinnbacken wird
ein besonderes Öl gewonnen, das sich durch
einen hohen Gehalt an flüchtigen Fettsäuren
und höheren Alkoholen (Zetylalkohol) auszeich
net und besonders zum Schmieren von Uhren
und feinen Instrumenten benutzt wird. — Für
die Gewinnung der Fischöle kommen haupt
sächlich der Hering und seine Verwandten, die
Sprotte, Sardine, ferner der Menhaden und der
Thunfisch in Betracht. Die ganzen Tiere oder
Abfälle derselben werden ausgekocht und ab
gepreßt und die erhaltenen öle vielfach ge
bleicht. Das spez. Gew. ist meist erheblich höher
als dasjenige der Trane, nämlich über 0,930.
Das Menhadenöl stammt von der Long-Island-