fullscreen : Das Pollard-System und seine Einführung in Deutschland

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8 Das Pollardsystem und seine Einführung in Deutschland.

System besser als je. Die Zahl der Rettungen beträgt 95 Prozent
aller Fälle, obwohl Herr Pollard bei seiner angestrengten Tätigkeit
die Einhaltung des Gelübdes nur oberflächlich kontrollieren kann.
„Das ist meine Methode,“ sagt Herr Pollard, „und sie hat die
Blume der Liebe zum Spriessen gebracht. in manchem Heim. wo
man sie zuvor nicht kannte.“
Unser verehrter Gast hat sein Verfahren aus eigenem geschaffen.
 Die bedingte Strafaussetzung stand ihm ja zu Gebote. Er
sagte sich aber offenbar, was der Vorentwurf zu unserem neuen
Strafgesetzbuche übersieht, dass die Hoffnung auf Straferlass einen
durch Trunk Gefallenen mitten in den Versuchungen und Verführungen
 (Anm, 20) des Lebens, besonders einer Grossstadt, vor
einem weiteren Fehltritt nicht bewahren wird, wenn er sich selbst
überlassen bleibt, daher die Schutzaufsicht und das Gelübde.
Aber wir alle sind Glieder einer Kette, und so zeigt sich uns das
Pollardsystem als eine Teilerscheinung der englisch-amerikanischen
Reformbestrebungen im Strafrechte, die schrittweise auch unser
Festland erobern — denken wir an Jugendgerichte und bedingte
Begnadigung — und die wir in die Formel zusammenfassen können:
Besserung statt Strafe.

Herr Pollard hat Schule gemacht. Sein Verfahren ist von einer
Reihe amerikanischer Richter angenommen worden und im Staate
Vermont ist es auf Grund Staatsgesetzes vom 18. Dezember 1906
bei der bedingten Aussetzung von Geld- oder Gefängnisstrafen
wegen Trunkenheit obligatorisch mit höchster Zeitdauer des Gelübdes
 auf ein Jahr und Schutzaufsicht. Ist dem Gerichte glaubhaft
gemacht, dass das Gelübde gehalten worden ist, so ist dem Urteil
Genüge geleistet und der Verurteilte wird entlassen (Anm. 21). Der
Gesetzgeber hat dem Schöpfer des Systems die Ehre erwiesen, dass
er seine Gelübdeformel mit geringer Änderung (Anm. 22) sich aneignete.
 Über die Bewährung konnte ich nichts erfahren.
Mit dem Pollardsystem sind nicht zu verwechseln gewisse
Methoden mit aussergerichtlichem Gelübde. So wird in Massachusetts
 beim Probationsverfahren die Bedingung auferlegt, regelmässig
zu arbeiten, guten Umgang zu pflegen und schlechten Gewohnheiten
nicht zu huldigen (Anm. 23), bei vielen Gerichten auch, Wirtshäuser
nicht zu besuchen. Nebenher ermuntert eine grosse Zahl von Gerichten
 die auf Probe Gestellten zur Ablegung eines aussergerichtlichen
 Enthaltsamkeitsgelübdes, wenn nicht, was auch vorkommt,
der Angeklagte schon vor der Verhandlung in die Hände eines
Geistlichen ein Gelübde abgelegt hat zum Beweise seines guten
Willens, sich zu bessern. Ein solches Gelübde vor der Verhandlung
 ist an Stelle des Pollardsystems üblich beim City Police Court
in Melbourne (Anm. 24). Hier suchen der Temperance Secretary
            
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