8 1.
Die Grundzüge des Chamberlainismus.
Man hat einmal die Volkswirtschaft eines Industriestaates
im nationalökonomisch technischen Sinne mit einem Gebäude ver—
glichen, dessen zweites industrielles Stockwerk über den landwirt—
schaftlichen Unterbau innerhalb der Landesgrenze hinausragt und
nur noch durch die künstlichen, auf fremden Boden stehenden
Pfeiler des auswärtigen Handels getragen wird. — Nachdem
England sich entschlossen hatte, seine Landwirtschaft der Industrie
zu opfern, ist seine Volkswirtschaft zu einem derartigen Gebäude
geworden. Sie ist wie eine großartige Säulenhalle, deren Decke
in der Mitte nur einige schwache Stützen tragen, während die
Schwere des ganzen Baues auf den auf fremdem Boden stehenden
Pfeilern ruht. Der stolze Bau steht, solange die Außenpfeiler
halten. Nun aber kommt die Konkurrenz und nagt und frißt an
dem Mauerwerk der Säulen, bis eine nach der andern mürbe
wird und zusammenbricht. Die britische Volkswirtschaft beginnt
diesen Vorgang zu empfinden und sie fürchtet für den Augenblick,
wo die wenigen, noch unversehrten Pfeiler die Last nicht mehr
zu tragen vermögen und das ganze große Gewölbe zusammen—
stürzt. Und wenn in unserer Zeit Kaiser- und Kanzlerreden,
wenn Reichstagsverhandlungen und Presseartikel immer wieder
auf die Möglichkeit eines kriegerischen Konfliktes zwischen England
und Deutschland hinweisen, so sind das treibende Motiv für
Großbritannien in erster Linie handelspolitische Rücksichten und
Erwägungen. Großbritannien will die Außenpfeiler vor der zer⸗
setzenden Tätigkeit des Schwammpilzes „Konkurrenz“ — um im
Bilde zu bleiben — schützen und da bieten sich ihm 2 Mittel:
ein radikaleres, das die ganze Brut vernichtet: der Krieg, und
ein Imprägnierungsmittel, das nur das Mauerwerk selbst schützt:
der Schutzzoll. Es ist daher m. E. ganz erklärlich, daß bei einem