Full text : Britisch-Afrika in dem geplanten Britischen Reichszollverein

großen Teil der englischen Bevölkerung der Wunsch laut geworden
ist, man solle einen der gefährlichsten Konkurrenten, den deutschen
Handel, vernichten, bevor er dem englischen gleichgekommen ift
oder gar ihn überflügelt hat und bevor er durch ausreichende
Machtmittel geschützt werden kann. Ebenso verständlich ist es,
daß eine andere starke Partei seit Jahren dahin arbeitet, die
Rivalität des Auslands, speziell Deutschlands und der Vereinigten
Staaten von Amerika, auf dem Weltmarkte ohne militärische
Machtentfaltung auszuschalten:
durch den Zusammenschluß des gesamten britischen Weltreichs
zu einem wirtschaftlichen Ganzen mit starkem Zollschutz nach außen
und möglichster Zollfreiheit im Innern, zu dem besonders von
dem früheren Kolonialminister Joseph Chamberlain mit allen
Mitteln erstrebten „Reichszollverein“.
Allerdings ist erst Anfang Dezember 1905 ein Wechsel in
der britischen Regierung vollzogen. An Stelle des unionistischen
und wenigstens teilweise mit Chamberlain übereinstimmenden))
Ministerpräsidenten A. J. Balfour ist der Führer der Liberalen
— D
Staatssekretär des Außeren ist Sir Edward Grey geworden,
der behauptete, die Ch.'sche?) Zollpolitik werde zum Ruin des
englischen Eigentums und zur Auflösung des Reiches führen.)
Ebenso ist die für den März dieses Jahres geplante Kolonial—
konferenz auf das Jahr 1907 verschoben worden. Aber es fragt
sich noch, ob nicht dieses Kabinett das von Ch. vorhergesagte
Ubergangskabinett sein wird, das nur dazu beitragen wird, die
Verwirklichung der Ch.'schen Pläne zu beschleunigen.) Jedenfalls
ist m. E. aus diesem Regierungswechsel keineswegs auf die
definitive Erledigung der Ch.'schen Pläne und des Chamberlai—
nismus, wie man kurz die Gesamtheit der in ihnen enthaltenen
Probleme genannt hat, zu schließen.
Die Bedeutung dieses Schlagwortes im Einzelnen dar—
zulegen, überschreitet den Rahmen der vorliegenden Arbeit. Diese

1) vgl. Balfour, a. a. O. S. 50f.; Braude S. 125ff. bes. S. 136
Schwab S. 10
A—
8) vgl. Dehn, Weltwirtsch. Neubild. S. 120.
14) vgl. v. Brandt, Zeitfragen S. 367f.; Schwab S. 2 und 112.
            
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