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Die Entstehung der Erkenntnis,
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formung der sinnlichen in die „intelligible Spezies“ zu beschrei-
ben. „Die Bilder der Dinge, wie sie in der Welt von den Ge-
genständen entstehen, sind noch nicht intellektuell, sondern sinn-
lich und werden zunächst nur in die Sinne aufgenommen. Denn
alles, was in der Welt existiert, ist eine sinnliche Substanz; wie
aber die Substanz, so ist auch ihre Spezies und ihr natürliches
Bild beschaffen. Von den sinnlichen Substanzen der Welt gehen
somit keine anderen als sinnliche Spezies aus und bewegen sich
zu uns hin. Hier werden sie zunächst in die Sinne aufgenommen,
bis der Verstand, der sich hinter den menschlichen Eindrücken
versteckt, sie zu intellektuellen Spezies umbildet, die er durch
Läuterung der Wahrnehmung oder durch rationale Vermutungen
hervorlockt, gewinnt und abstrahiert.‘) Die „Formen“ der Dinge
verändern also ihre Natur, wenn sie aus der „grossen Welt“ in
die kleine eintreten. Das tatsächliche stoffliche Dasein, das ihnen
dort eignet, müssen sie aufgeben, um in das Bereich des Ver-
standes Einlass zu gewinnen; die sinnliche Bestimmtheit und
Konkretion, durch die sie ausgezeichnet sind, vermögen sie nur
„bis an die Thore des Geistes“ zu bewahren. Haben sie den Ein-
gang der Seele einmal überschritten, so werden sie vom Intellekt
alsbald dem Gedächtnis überliefert, das Sie, als einen festen Be-
sitz, jedoch in einer neuen Daseinsweise bewahrt.®%) Diese Um-
bildung geht indes streng genommen weder im Sinn, noch im
Intellekt als solchen vor sich, sondern ist ein Werk der Ein-
bildungskraft, die als ein Mittleres zwischen beiden Vermögen,
an ihrer beiderseitigen Natur Anteil hat.®) Die weitere Unter-
suchung ist vor allem darauf gerichtet, diese verschiedenen seeli-
schen Grundkräfte zu unterscheiden und ihre Wirksamkeit ge-
geneinander abzugrenzen. Der „Verstand“ erscheint hierbei immer
mehr als ein blosser Durchgangspunkt, als eine lediglich ver-
mittelnde Potenz, vermöge deren die äussere Wirklichkeit in den
„inneren Sinn“ übergeführt wird: intellectuales species, per quas
homo omnia fit, ortum habent in mundo, transitum per
humanum intellectum, finem et statum in memoria.”)
Das Gedächtnis ist in Wahrheit der echte Mikrokosmos, der
das gesamte Sein der Aussendinge in sich aufnimmt und wieder-
spiegelt: eine Auffassung, für die sich Bovillus auf — Platons
Avanyvnoıc berufen zu dürfen slaubt. Jede Spezies wird, sobald sie