Full text : Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Die Lehre vom „tätigen Verstande“

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Ausdruck kommt: die volle Wirklichkeit, wie sie die Metaphysik
 definiert, das besondere, aus Form und Materie zusammengesetzte
 Einzelding widerstreitet den Bedingungen, die die Erkenntnis
 für ihr Objekt aufstellen muss. Die Grundgleichung,
um deren Aufstellung und Bestimmung die gesamte griechische
Philosophie sich bemüht hatte, die Identität von Denken und Sein
ist somit hier von Anfang an preisgegeben. Innerhalb der Aristotelischen
 Psychologie spiegelt sich der Gegensatz in der Doppelstellung,
 die der „Verstand“, dem die Erkenntnis der allgemeinen
Prinzipien zugewiesen wird, gegenüber den übrigen seelischen Vermögen
 behält. Während er als „leidender Verstand“ als vobs zadNıtıxG
nur den Stoff, den Sinne und Einbildungskraft ihm bieten, aufzunehmen
 und zusammenzufassen hat, soll er als tätiger Verstand, als
wog KuNtLxGs VON dieser Bedingtheit frei sein: während nach der stetigen
 Stufenfolge der psychologischen Kräfte das Denken nur am
„Phantasma‘‘, am Vorstellun gsbild geübt werden kann, tritt Jetzt eine
„andere Art“ seelischer Betätigung auf, die die intelligiblen und allgemeinen
 Objekte rein und unvermischt erfasst. Dem Sinnlichen
abgewandt und seiner Einwirkung entzogen soll die aktive Denkkraft
 ein eigenes und selbstgenügsames Sein besitzen. Die Naturbedingungen,
 die die Entstehung und den Verlauf des organischen
Lebens regeln, verlieren diesem Teil der Seele gegenüber ihre Bedeutung
 und ihre Kraft. Wie der Geist „von aussen her“ (#öpaudev)
in fertiger und abgeschlossener Gestalt in den individuellen Körper
eintritt: so soll er auch die Existenz des Körpers überdauern und
ausserhalb seiner Grenzen fortbestehen können. Er ist das ewige
und „göttliche“ Prinzip, das sich mit der Materie zwar zu gemeinschaftlichem
 Dasein verbindet, das aber durch sie in seiner
Wesenheit nicht berührt und bestimmt wird. Wir erkennen
hier die tieferen, sachlichen Motive, aus denen die Peripatetische
Lehre vom tätigen Verstande hervorgegangen ist. Was die Erkenntnislehre
 in ihren ersten Anfängen versäumt hatte: die
Funktion des reinen Denkens und seine spontane Wirksamkeit
im Gegensatz zu allen bloss passiven Eindrücken festzuhalten und
herauszuarbeiten, das versucht die metaphysische Psychologie
 an diesem Punkte nachzuholen. Jetzt aber vermag die
Scheidung nicht mehr im methodischen Sinne zu erfolgen:
sie fordert. innerhalb der Seele selbst, eine substantielle Sonde-
            
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