Full text : Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Das Allgemeine und das Besondere.

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daher seines eigentlichen metaphysischen Sinnes entkleidet und
lediglich in der Bedeutung einer derartigen logischen Unterscheidung
 gefasst. Die Entscheidung über die Unsterblichkeit
ist damit gegeben: wir können den ganzen philosophischen Sinn
der Behauptung der „Immaterialität“ der Seele festhalten, ohne
dass wir darum ein jenseitiges Dasein, eine reale Ablösung der
Seele vom Körper setzen und zugeben müssten. —
Das correlative Verhältnis von Seele und Körper, das
damit festgestellt ist, spiegelt sich innerhalb der Logik vor allem
in der Beziehung zwischen Begriff und Empfindung, zwischen
dem „Allgemeinen“ und „Besonderen“ wieder. Es entspricht der
Doppelnatur und der Mittelstellung des Menschen, dass er das
Allgemeine weder schlechthin und rein zu erfassen imstande ist,
noch auch von seiner Erkenntnis gänzlich ausgeschlossen ist.
Wir müssen es, um uns seiner zu versichern, im Einzelnen
selbst aufsuchen und betrachten; wir können das echte unvermischte
 Wesen des Begriffs nur in den begrenzten und besonderen
 Erscheinungen erschauen. Selbst der abstrakteste Gedanke
muss an irgend ein bestimmtes, körperliches Bild anknüpfen.
So existiert der Intellekt weder einzig im „Hier“ und „Jetzt“, noch
ist er vom Hier und Jetzt völlig gelöst; so ist seine Wirksamkeit
weder gänzlich allgemein, noch geht sie im Besonderen auf. Sie
ist dem Zeitverlauf eingeordnet und dennoch zugleich über ihn
erhaben, sofern das einzelne Denkgeschehen zwar nur im Zusammenhang
 des psychischen Vorstellungsablaufs von Statten
gehen kann, andererseits aber der Denkinhalt seiner Geltung
nach als zeitlos und unveränderlich erfasst wird.®) Diese Ewigkeit
 des Gedankens, nicht die des Denkenden aber ist es, die
allein zu suchen ist und die den berechtigten Kern in der Forderung
 der „Unsterblichkeit“ ausmacht. Der Geist hat an der Unsterblichkeit
 teil, sofern es ihm gegeben ist, das Allgemeine, wenngleich
 nur im Abbild der sinnlichen Erscheinung, zu erkennen
und sich zu Eigen zu machen.?) Denn wenngleich er vom Individuum
 ausgehen muss, so ist es doch nicht dieses oder jenes
bestimmte Individuum, durch das er bedingt und eingeschränkt
wäre; vielmehr vermag er in jedem beliebigen Einzelnen, das
er als Beispiel zu Grunde legt, sich den universalen Gehalt des Begriffs
 zum Bewusstsein zu bringen. Das Allgemeine ist daher zwar
            
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