Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Zerenzo Valla. 
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aller Barbarismen, doch darin echte sprachbildende Kraft, dass 
bei ihr, in allen wesentlichen Hauptzügen, Ausdruck und Gedanke 
in Einklang gesetzt und erhalten sind. Wortbildungen wie en- 
tHitas, quidditas, haecceitas, über die die humanistische Gelehr- 
samkeit so witzig und treffend zu spotten weiss, bezeichnen den- 
noch deutlich die Denkart, aus der sie hervorgegangen sind; die 
Vorherrschaft der abstrakten Substantiva ist charakteristisch 
für eine Auffassung der Natur und des Geistes, der alle Eigen- 
schaften und Tätigkeiten sich in dingliche Substanzen ver- 
wandeln. Aus diesem Wechselverhältnis zwischen Begriff und 
Wort, auf das schon Leibniz in der Abhandlung über den phi- 
losophischen Stil des Nizolius hingedeutet hat, erklärt es sich, 
dass die Kritik des Stils in der Renaissance zu einer philosophi- 
schen Aufgabe erhoben werden kann und dass ihre Ergebnisse 
mittelbar zur Kritik der Erkenntnis mitwirken. — 
Das Werk, bei dem dieser Zusammenhang sich zuerst dar- 
stellt, sind Lorenzo Vallas „Dialektische Disputationen“. Um 
dieser Schrift gerecht zu werden, muss man sie nicht nach den 
Neuerungen beurteilen, die sie am Inhalt der Logik vollzieht. 
Wenn YValla die Aristotelische Kategorienlehre durchmustert, wenn 
er die Zahl der Kategorien von Zehn auf Drei herabsetzen und das 
konkrete Einzelding an die Spitze gestellt sehen will, so liegt in 
solcher Vereinfachung kein sachlicher Fortschritt. Was an dem 
Werke neu und original ist, ist nicht sein wissenschaftlicher Ge- 
halt, sondern die Stimmung, aus der es entsprungen ist und das 
persönliche Pathos, das in ihm zum Ausdruck kommt, Vallas 
Angriff auf die Logik seiner Zeit ist nur aus dem Ganzen seiner 
Leistungen und seiner Persönlichkeit zu begreifen. Ihm ist die 
Philologie nicht Selbstzweck, nicht in sich abgeschlossene und 
selbstgenügsame Gelehrtenkultur, sondern sie bedeutet ihm über- 
all das Grundmittel zur Entdeckung der lebendigen, geistigen 
Wirklichkeit. Sie wird ihm zum Fundament und Instrument 
der Kritik, die er nach allen Richtungen und auf allen Gebieten 
betätigt. Ob er die Fehler der Vulgata oder die Widersprüche 
der geschichtlichen Ueberlieferung in Livius’ Römischer Geschichte 
aufdeckt, ob er der Entstehung der Constantinischen Schenkungs- 
urkunde oder des kirchlichen Symbols nachgeht: stets ist es nicht 
sowohl die Sache selbst. als die Freude an der kritischen Betäti-
	        
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