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130 Die Auflösung der scholastischen Logik, — Petrus Ramus,
dürftig und fragwürdig. Nicht auf den eigenen, originalen Gedanken,
sondern auf der Lebhaftigkeit, mit der er bestimmte,
allgemein verbreitete Tendenzen der Zeit aufgreift und zu Worte
kommen lässt, beruht seine geschichtliche Wirkung. Dennoch
löst sich aus all dem deklamatorischen Beiwerk, von dem seine
logische‘ „Reform“ umgeben und überwuchert ist, wenigstens
ein wichtiger sachlicher Gesichtspunkt heraus, indem nunmehr
die Mathematik als das Vorbild und Muster bezeichnet wird.
nach dem der Aufbau der Dialektik sich vollziehen muss. Ramus
selbst berichtet, wie die tiefere Kenntnis der Platonischen
Dialoge es war, die ihm zuerst über die Unfruchtbarkeit
des scholastischen Wissens die Augen geöffnet und ihm den Weg
zu den wahren Zielen der Erkenntnis gewiesen habe. Diese Einwirkung
lässt sich in seinen Werken überall deutlich verfolgen,
wenngleich sie nicht so rein und ungetrübt, wie bei den eigentlichen
Schöpfern der neueren Wissenschaft, hervortritt. Das
Ideal der Dialektik, das er zeichnet, ist fast völlig dem sechsten
Buche der Platonischen Republik entlehnt: wie hier, so bilden
bei ihm Grammatik und Rhetorik, Arilhmetik und Geometrie,
Musik und Astronomie die verschiedenen Stufen und Staffeln,
vermöge deren die „Rückwendung“ von den Schattenbildern der
Sinnlichkeit zur Anschauung des wahrhaft Seienden sich vollzieht.)
So ist ihm denn auch — im Gegensalz zu Vives — die
echte Dialektik wieder die „Königin und Göttin“, die über alle
einzelnen Wissenschaften und Fertigkeiten herrscht. Aber diese
ihre Bedeutung und dieser ihr eigentümliche Wert kann nur
dann hervortreten, wenn wir sie nicht in dem entstellten Bilde
betrachten, das uns Aristoteles von ihr überliefert hat, sondern
sie bis zu ihren echten Quellen im menschlichen Geiste selbst
zurückverfolgen. Das Ziel der Neuerung ist in Wahrheit die
Wiederherstellung der ursprünglichsten und „ältesten“ Prinzipien
des Denkens: es gilt zu der edlen Selbständigkeit und Unabhängigkeit
der Alten zurückzukehren, um mit ihnen gegen die
Widersacher und Feinde des eigensten Besitzes der Menschheit
zu streiten. 2)
So bildet auch hier die psychologische Erkenntnis des
menschlichen Geistes und die Beobachtung des natürlichen Denkverlaufs
den Ausgangspunkt. Jede Wissenschaft muss. bevor sie