Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Giov. Picos Schrift „gegen die Astrologie“. ; 151 
aus sich entfaltet, wird wiederum völlig im Sinne des „wundertäti- 
zen Wortes“ gedacht, das wir uns nur anzueignen haben, um die 
Natur zu verstehen und zu beherrschen. Nicht minder sind die 
Zahlen und die geometrischen Figuren, in denen sich die Maasse 
und Harmonien des Weltalls abspiegeln, zugleich mit inneren Kräf- 
ten begabt, dank denen wir die Objekte nicht nur zu erkennen, 
sondern sie zugleich unserem Willen zu unterwerfen vermögen. In 
dieser Verschmelzung und Indifferenz der Ursachen und Sym- 
bole liegt der eigentliche Charakter der magischen wie der astro- 
logischen Grundanschauung. Und hier vor allem greift nunmehr 
lie Schrift Picos entscheidend ein. Der Himmel kann — wie sie 
ausspricht — nur dasjenige bezeichnen und vorausdeuten, 
was er selbsttätig hervorbringt. Scharf und klar wird zwischen 
den „Zeichen“ geschieden, die die Natur selbst uns darbietet, und 
denen, die nur der menschlichen Willkür entstammen. Die echten, 
natürlichen Zeichen gehören der Körperweltan und unterliegen 
ihren Gesetzen: sie sind entweder selbst die Ursachen des Ereig- 
nisses, auf das sie hinweisen oder seine Wirkungen. Und überall, 
wo dieser unmittelbare Zusammenhang ausgeschlossen ist, be- 
steht doch wenigstens eine mittelbare kausale Verknüpfung, so- 
fern alsdann das Zeichen wie das Bezeichnete von ein und der- 
selben gemeinschaftlichen Ursache herrühren und durch die Rück- 
beziehung auf diese wechselseitig in ihrem Verhältnis bestimmt 
werden. Glaubt jemand hier den Fall hinzufügen zu müssen, dass 
der betreffende Erfolg zwar nicht von dem Ereignis, das wir be- 
trachten, hervorgebracht ist, aber doch mit ihm notwendig und un- 
löslich verbunden ist, so ist dies eine schwere Täuschung: denn 
diese Verknüpfung und Uebereinstimmung kann auf keine andere 
Weise hergestellt werden, als dadurch, dass der eine Vorgang auf 
den anderen einwirkt, oder von ihm eine Einwirkung erfährt, 
oder endlich dadurch, dass beide in einer gemeinsamen Ursache 
wurzeln, die sie gleichzeitig und miteinander ins Dasein ruft.”’) 
An Stelle des willkürlichen Analogieschlusses, der ein Ver- 
hältnis, das er in irgend einem Teile der Wirklichkeit vorfindet, 
unvermittelt auf andere, entlegene Elemente des Seins überträgt, 
tritt somit jetzt die strenge Forderung, die empirische Folge des 
Geschehens nach ihrem eindeutigen und stetigen Zusammen- 
hang zu begreifen. Mit diesem Gedanken aber wächst Pico weit
	        
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