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Die Natur philosophie,
Physik und des stoischen Materjalismüs verschmolz: in dieser Lehre
glaubt auch das Denken der neueren Zeit zunächst die begriffliche
Synthese für seine verschiedenartigen Tendenzen gefunden zu
haben. Es ist vor allem der schillernde Begriff der Entwickelung,
der, wie er Natur- und Geistesgeschichte gleichmässig umfasst, die
Fragen, die sich aus beiden ergeben, in einer gemeinsamen metaphysischen
Formel zu enthalten und zu lösen scheint. Innerhalb
der Neuplatonischen Lehre bildet die Entwicklung das Zauberwort,
’das die beiden äussersten Enden des Systems, das die
(dee und Erscheinung mit einander verknüpft. Wie sehr auf der
einen Seite das Absolute als jenseit alles Seins und alles Denkens
betrachtet wird, so führt doch nunmehr eine stetige und notwendige
Folge von der Welt der reinen Formen zum stofflichen
Dasein der Dinge hinüber. Die logische Verbindung der Gegen-„ole
wird im Begriff der Kraft entdeckt: das Urwesen ist reine
ınd absolute Tätigkeit, die, in einem System von Abstufunzen
und Abschwächungen, auf das abgeleitete Sein überfliesst
ınd es damit erzeugt und ermöglicht. Jetzt ist die Körperwelt
ınd ihre Mannigfaltigkeit nicht mehr schlechthin ein Nicht-Seiendes;
sie ist zugleich als ein Symbol gedacht, in dem die
Einheit der „Idee“ sich ausprägt. —
Diese dynamische Grundauffassung ist es vor allem, die
für die neuere Zeit zur Vorbereitung und zum Hebel einer Umgestaltung
des Naturbegriffs wird. Damit die Natur als selbständiges
Problem gefasst und herausgehoben wird, muss sie
zunächst als geschlossenes Ganze gedacht werden, das in sich
selbst und dank der eigenen, in ihm liegenden Kräfte sich erhält
und umgestaltet. Jede Veränderung in ihr muss im immanenten,
gesetzlichen Zusammenhang mit einem zeitlich und räumlich
venachbarten Ereignis aufgefasst werden, das seinerseits wieder
auf neue Bedingungen und schliesslich, in letzter Analyse, auf
lie Totalität der Kräfte des Alls zurückweist. So ist die Absonderung
des Einzelnen im Grunde lediglich ein Werk der
Abstraktion, während einzig das Ganze in lebendiger Wirklichkeit
besteht und seinen Teilen vorangeht. Die Natur ist — wenn wir
liesen Gedanken aus der Sprache der Logik in die der unmittelbaren
Anschauung übersetzen — ein einziger Organismus: eine
Abfolge mannigfacher Erscheinungen, die sich von innen heraus