Begriff und. Erfahrung.
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gründe, wie die mathematischen Verhältnisse bedeuten. Das
Gewirr der Empfindungen kann nicht unmittelbar zum Objekt
der Forschung werden: erst in seiner gedanklichen Verarbeitung,
in einer Auflösung der festen Dinge in mathematische Funktionen
und Prozesse entsteht die Frage, mit der die Wissenschaft beginnt.
So klar und eindeutig allerdings, wie dieses Ergebnis sich
uns darstellt, wenn wir uns die mathematische Naturwissen-
schaft in ihrer vollendeten Gestalt vergegenwärtigen, vermag es
in ihren Anfängen nicht sogleich hervorzutreten. Mannigfache
andersartige Einflüsse, die ihren Ursprung in der besonderen
geschichtlichen Problemlage der Zeit und im Verhältnis zur
wissenschaftlichen Tradition haben, wirken mit, um die ein-
fachen Züge des Bildes zu komplizieren und umzugestalten. Zu-
nächst findet sich das Denken nicht mehr, wie bei Platon,
der Natur selber gegenüber: was es vorfindet, ist ein festes und
fertiges Begriffssystem, das den Anspruch erhebt, in seinen
Grenzen jede künftige Beobachtung im Voraus zu enthalten und
zu umschliessen. Gegen diese Herrschaft des scholastischen Be-
griffs wird der Sinn und die Wahrnehmung angerufen. An der
Erfahrung erst vermag das Denken zum Bewusstsein und Ver-
ständnis seiner selbst zu gelangen; an ihr erst vermag es sich
seiner prinzipiellen Aufgabe und ihrer Unerschöpflichkeit zu
versichern. An dieser echten, sich selber stetig erneuernden Wirk-
lichkeit gemessen, sinken die ontologischen Begriffe zu blossen
„Namen“ herab. Von allen Seiten her, von der Skepsis, wie der
Naturphilosophie, vom Humanismus, wie der mathematischen
Physik, ertönt dieselbe Forderung: von den Worten zu den Sachen,
von der Verknüpfung der Syllogismen zu den Zusammenhängen
der Natur zurückzukehren. Aller Wert und alle Verantwortung
des Wissens wird somit auf die Empfindung als den ursprüng-
lichsten und untrüglichsten Zeugen übertragen. Aber eben in
der Feststellung des Empfindungsinhaltes selbst, in der Sicherung
und Abgrenzung der Beobachtungen. entdeckt das Denken nun-
mehr seine neue methodische Kraft und Leistung. Und so wird
es, nachdem der Kampf entschieden ist, klar, dass das Losungs-
wort der Parteien die wahre Bedeutung des Problems nicht völlig
ausmisst und erschöpft. Für das Recht der Wahrnehmung wurde
gestritten: aber das Ergebnis ist zugleich eine neue Auffassung und