232 Die Entstehung der exakten Wissenschaft. — Kepler,
pationen von ihr fernzuhalten sucht, verstrickt er sich in Wahrheit
nur um so fester in willkürliche Fiktionen und mystische
Annahmen. 4} —
Um Keplers Theorie der „Hypothese“ im Einzelnen zu verstehen
und zu würdigen, muss man sich den Stand der astronomischen
Methodenlehre, den er vorfand, vergegenwärtigen. Von
Platon stammt die Forderung an die Astronomen, diejenigen
streng geordneten und gleichförmigen Bewegungen festzustellen,
unter deren Voraussetzung die Erscheinungen am‘ Himmel wiederzegeben
und „gerettet“ werden könnten (3ıaowley td Kepi tde UV
3816 TÜV ThavwiLEvOV Camipeva).42) Die antike Himmelskunde suchte
liese Aufgahe dadurch zu lösen, dass sie die komplizierten Bahnen
ler Gestirne als Resultanten einfacher Kreisbewegungen darstellte,
wobei sie zunächst die Planeten noch an materielle Sphären
Defestigt dachte, die durch ihren Umschwung den Körper, der an
ihnen haftete, mit sich herumführen sollten. Diese letztere Annahme
vermochte indes schon im Altertum der Mannigfaltigkeit
ler Erscheinungen nicht mehr gerecht zu werden. Die Anzahl der
‚esten Sphären, die sich ineinanderschoben, häufte sich mehr und
mehr — sie wird von Eudoxos und Kalippos auf 25, von Aristo-'eles
bereits auf 49 angegeben, — ohne dass damit doch eine exakte
Beschreibung der Phänomene geleistet wurde. Bereits die alexan-Irinischen
Astronomen verzichteten daher auf jede nähere physizalische
Erklärung der Himmelserscheinungen und begnügten
sich mit der geometrischen Ausbildung der Epicykelntheorie, wonach
die Planeten eine Kreisbewegung um ein Centrum ausführen,
das selbst wiederum auf einem grösseren „deferierenden“ Kreise
um die Erde herumgeführt wird. Nach der „Wahrheit“ dieser
Theorie, nach der Möglichkeit, die einzelnen Componenten, in
die sie die Bewegungen der Gestirne zerlegt, in empirischer Wirksamkeit
und Wirklichkeit nachzuweisen, ward hierbei nicht ge-(ragt:
genug, dass damit ein bequemer methodischer Kunstgriff und
ein Hilfsmittel der Rechnung gefunden war, vermöge dessen sich
der Ort eines Planeten zu einer bestimmten Zeit mit genügender Annäherung
bestimmen liess. Zu Beginn der neueren Zeit war sodann
von Peurbach und Regiomontan eine Ausgleichung zwischen
der geometrischen und physikalischen Betrachtungsweise versucht
worden, die jedoch, wenngleich sie eine einheitliche anschauliche