Full text : Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Verhältnis zur antiken Atomistik,

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einsetzt. Auch für ihn steht das Eleatische Ideal des Begreifens
fest, das er in Platonischen Wendungen formuliert: Wissenschaft
ist nur von dem möglich, was in dauernder Einheit sich erhält. 1%)
Aber wenn dieser Gedanke für Platon vor allem in der Mathematik
 seine Bewährung und Erfüllung fand, so wird jetzt die
Forderung unmittelbar und strenger auf die physischen Objekte
gerichtet. Jeder Verdacht einer „Abtrennung“ der Idee von den
Sinnendingen muss jetzt schwinden: sie selber, ihr Wechsel und
ihre Bewegung sind erforderlich, um sich der Konstanz des Gesetzes
zu versichern. Es könnte auffallend, es könnte bei dem Entdecker
 der Experimentalmethode wie ein Rückfall und eine
Ueberspannung des Apriorismus erscheinen, dass er die Methode
der „Wiedererinnerung‘“, die Platon am Beispiel der Geometrie
darstellte und zur Geltung brachte, unmittelbar auf physikalische
Gegenstände und Probleme überträgt. Verständlich wird diese
Weiterführung nur, wenn man die Art erwägt, in der Galilei zu
seinem Begriff der Natur vorgedrungen ist. In ihm ist nicht
eine Mehrheit beliebig zusammengeraffter Tatsachen und Beobachtungen
 zu äusserlicher Einheit verknüpft, sondern eine strenge
Abgrenzung und Bestimmung des Erfahrungsstoffes nach Kriterien
 der Geometrie getroffen. Zur Natur, im echten wissenschaftlichen
 Sinne des Wortes, gehören nur „die wahren und notwendigen
 Dinge, die sich unmöglich anders verhalten können“:
von ihnen aber gilt der Satz, dass der Verstand eines Jeden, Sofern
 er jemals ihre Erkenntnis erlangen soll, diese „aus sich
selber“ (da per se) zu schöpfen hat.!!%) Mit aller Entschiedenheit
wird somit anerkannt, dass jeder Forschung ein allgemeiner Idealbegriff
 der Wirklichkeit vorangehen muss: aber freilich kann nur
die Beobachtung darüber entscheiden, ob es in der Welt der sinnlichen
 Wahrnehmung, die uns umgibt, Inhalte gibt, die jener
ersten idealen Forderung entsprechen, ob somit eine exakte Wissenschaft
 möglich ist. Die Erfahrung bestimmt jeden Einzelschritt
des Weges: das Gesamtziel aber und die Aufgabe der Erkenntnis
wird von den reinen Begriffen vorgezeichnet und erleuchtet. Das
Verhältnis des Abstrakten und Konkreten ist nunmehr schlichter
und klarer bezeichnet, als es selbst bei Kepler der Fall war.
Kepler sucht für die unbedingte Entsprechung beider Gebiete noch
eine tiefere, metaphysische Ableitung: die Gemeinschaft des
            
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