Full text : Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Die Relativität der Erkenntnis.

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vorliegenden Falles, über die unendlichen Verschiedenheiten der
Schwere, der Geschwindigkeit und der Gestalt der einzelnen Körper
 lässt sich keine sichere Theorie geben (non si puö dar
ferma scienza). Von alledem muss, um den Gegenstand wissenschaftlich
 zu behandeln, abgesehen werden. Das Ergebnis muss
zunächst für den Fall, dass keine äusseren Hindernisse obwalten,
rein abstrakt abgeleitet und alsdann praktisch mit denjenigen Einschränkungen,
 die die Erfahrung uns anzeigt, angewandt
werden. !41) Die „kompositive Methode“, die zum Einzelnen hinleitet,
 ist ohne feste Leitung und Richtschnur, wenn ihr nicht die
zerlegende Analysis, die auf die allgemeinen Beziehungen zurückführt,
 vorangegangen ist. Wie sehr die Geltung solcher Beziehungen
 von der Beschaffenheit der empirischen Subjekte unabhängig
 ist, das ist gelegentlich der Diskussion des Beharrungsgesetzes
 bei Galilei zur prägnanten Aussprache gelangt. Simplicio
will den Satz, dass die Geschwindigkeit eines sich selbst überlassenen
 Körpers sich auf der Horizontalen erhält, unter der Voraussetzung
 zugestehen, dass der Körper selbst, von dem die Rede
ist, von dauerhaftem und unzerstörbarem Stoffe ist. Damit hat
er indes, wie ihm eingeworfen wird, den wahren Charakter der
Frage verkannt; denn die Vernichtung des Körpers würde lediglich
 zu den zufälligen und äusserlichen Hemmnissen gehören, von
denen für die theoretische Entscheidung der Frage abzusehen ist. 14?)
Hier ist der Ausdruck der Reinheit und Unabhängigkeit der Relation
 noch gesteigert: bei der Formulierung des Gesetzes dürfen
wir nicht nur von der Beschaffenheit, sondern von dem Dasein
der Einzeldinge abstrahieren. In dieser Hyperbel ist der Vorrang
des Funktionsbegriffes vor dem Dingbegriff zu voller
Klarheit gelangt. —
Unmittelbar deutlich offenbart sich die neue Ansicht weiterhin
 in der veränderten Auffassung des physikalischen Raumbegriffs.
 Der moderne Begriff des Raumes ist erst durch den
Gedanken der Relativität erschaffen und ermöglicht worden; selbst
bei denen, die später einen absoluten Raum behaupten, wird diese
Annahme nicht als Widerspruch, sondern als Ergänzung und Korrelat
 zum Grundsatz der Relativität der Bewegung gedacht. Für die
naive Ansicht sind zunächst die einzelnen Dinge und mit ihnen ihre
wahre räumliche Ordnung. als eine Eigenschaft. die ihnen an-
            
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