Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Die Umförmung des Grössenbegriffs. 
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einen mittelbaren Prozess des begrifflichen Denkens und der 
Schlussfolgerung zu erweisen, nicht direkt in der sinnlichen 
Wahrnehmung und Anschauung zu belegen ist.16%%) Aber ebenso 
zweifellos, wie die Unabschliessbarkeit der Teilung steht die Not- 
wendigkeit letzter, unteilbarer Elemente fest, aus denen die 
stetige Grösse sich zusammensetzt: sie selbst müsste in Nichts 
zerfallen, wenn sie sich nicht auf einen solchen Urgrund ihres 
Seins zurückzubeziehen vermöchte. Die beiden Sätze, dass das 
Kontinuum durch Teilung nicht zu erschöpfen ist, wie dass es 
aus indivisiblen Teilen besteht, widersprechen einander nicht, 
sondern bedingen einander wechselseitig. Eben weil wir durch 
fortgesetzte Zerfällung einer gegebenen Grösse immer nur zu 
endlichen, wiederum zusammengesetzten Strecken gelangen, eben 
weil auf diesem Wege also die „ersten Komponenten“ niemals 
zu erreichen sind, ist es notwendig, das Fundament der Grösse 
in schlechthin unteilbaren Elementen zu legen.1®) Freilich ruht 
diese Beweisführung auf einem Trugschluss: denn wer bürgt uns 
dafür, dass solche „erste Komponenten“ der stetigen Grösse 
überhaupt bestehen? Müssen wir wirklich das „Sein“ der Linie, 
die selbst nur eine reine Relation darstellt, aufgeben, wenn es 
uns nicht gelingt, es auf letzte schlechthin einfache und abso- 
Iute Setzungen zurückzuführen? Man sieht, dass Galilei hier 
noch mit derjenigen Begriffsbestimmung des Seins zu ringen hat, 
die er selbst im Ganzen seiner Forschung kritisiert und auflöst. 
Solange das unteilbare Element — wie dies besonders in Galileis 
Atomistik hervortritt — als ein einzelnes, für sich bestehendes 
Sein gedacht wird, aus dessen äusserer Vereinigung und Zu- 
sammenfügung die konkrete Wirklichkeit der endlichen Ge- 
bilde resultieren soll: solange ist der Widerspruch zwischen 
einer solchen „Diskretion“ und der stetigen Grösse nicht zu hbe- 
seitigen. — 
Galilei selbst greift daher, wo immer er seine Anschauung 
des Unendlichen zu verdeutlichen sucht, von dem Problem des 
Raumes unwillkürlich zum Problem der Bewegung über. 1%) 
Hier nimmt die Frage eine neue Richtung: denn nun handelt es 
sich nicht mehr darum, ein bestehendes Ganze nachträglich in 
seine Teile zu zerlegen, sondern eine Grundlage zu schaffen, aus 
Jder die Ortsbewegung als ein einheitlicher, streng geregelter
	        
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