Full text : Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Das Unendliche und die Denkfunktion.

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sich zu seiner originalen wissenschaftlichen Grundanschauung
durchgerungen hatte: die Lehre von den „seligen Bewegern“ der
Gestirne umkleidet er noch einmal mit dem ganzen Reize, den
die künstlerische Phantasie diesem Bilde zu geben vermag.!))
Trotz allen diesen gemeinsamen Zügen indes, die Bruno mit
der älteren Naturphilosophie teilt, erscheint sein Standpunkt
von dem ihren dennoch scharf geschieden, sobald man die Art
seiner Begründung und das erkenntnistheoretische Fundament,
 auf dem er ruht, ins Auge fasst. Hier ergibt sich alsbald
ein charakteristischer Gegensatz: ein Gegensatz, der es rechtfertigt,
 wenn wir, für die Geschichte unseres Problems, Brunos
Lehre von der seiner Vorgänger und Zeitgenossen loslösen, um
uns ihr erst jetzt nach der Darstellung der mathematischen Naturwissenschaft
 zuzuwenden. Die Naturphilosophie — die des Paracelsus
 sowohl, wie die des Telesio oder Campanella — ruht auf der
Voraussetzung, dass der Sinn und die Wahrnehmung es sind,
denen sich das Sein der Dinge unmittelbar erschliesst. Sie bilden
den Punkt der Vereinigung, an dem sich das Ich und die äussere
Wirklichkeit treffen und zusammenschliessen, die höchste Gewähr
und die direkte Verwirklichung der harmonischen Verschmelzung
von „Subjekt“ und „Objekt“. Das Einzelding in seiner vollen Bestimmtheit
 bildet die höchste Aufgabe des Wissens: die blosse
Wiederholung des Prozesses, der uns die Kenntnis des Einzeinen
 vermittelt, muss uns auch zur Einsicht in die Regel des
Ganzen hinführen. (S. ob. S. 221 ff.) Für Bruno, der von dem
Gedanken der Unendlichkeit der Welten ausgeht, ist diese
Denkart von Anfang an hinfällig geworden. Das Universum, wie er
es begreift, kann nicht aus gesonderten sinnlichen Einzeltatsachen
aufgebaut und in ihnen zum Abschluss gebracht werden, so wenig
das Unendliche als die Summe des Endlichen zu fassen und zu
verstehen ist. Es ist eine eigene grundlegende Konzeption der
Vernunft, die uns der Unendlichkeit des Einen Seins versichert:
ein Gedanke, der zwar durch die Beobachtung und Einzelerfahrung
 angeregt wird, in ihr allein indes niemals seinen Halt
und seine volle Gewähr findet. „Wer das Unendliche vermittels
der Sinne zu erkennen verlangt, gleicht einem, der die Substanz
und die Wesenheit mit den Augen erblicken will; wer alles das,
was nicht sinnlich wahrnehmbar, leugnen wollte, der müsste
            
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