Die Idee des Schönen.
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Das diskursive Denken, das die Mannigfaltigkeit der wahrnehm-
baren Species als Stoff voraussetzt, das sich nur in der Bearbei-
tung und Verknüpfung der „Eindrücke“ zu betätigen vermag,
bleibt selbst nur ein „Schatten“ des wahren Seins; nicht nur die
Sinnlichkeit selbst, sondern auch die vermittelnde Vernunfttätig-
keit, die an sie anknüpft, verharrt im notwendigen Gegensatz zur
Welt der Idee. —
Indessen erschöpft sich in dieser schroffen Sonderung schon
bei Plotin selbst nicht das Ganze seiner Grundanschauung.
Schon bei ihm kommt alsbald ein latentes Gegenmotiv zur Gel-
tung: wenn die Materie den weitesten Abstand vom ursprünglich
Einen bezeichnet, so trägt sie doch noch immer, wenngleich ver-
blasst, die Züge ihres Urbildes in sich, so ist doch wenigstens die
„Sehnsucht“ nach dem reinen Sein in ihr nicht erloschen, Je
weiter Bruno in der eigenen originalen Ausbildung seiner Meta-
physik fortschreitet, umsomehr gewinnt auch bei ihm diese
zweite Richtung der Betrachtung die Vorherrschaft. Er selbst
knüpft — in einem der späteren Werke — an diese Wendung
des Gedankens an: die Materie ist, wenngleich sie in ihrem rast-
losen Streben nach dem Schönen und Guten ihren inneren Mangel
bezeugt, darum doch nicht an sich selber als schlecht und ver-
werflich zu bezeichnen — denn wäre sie dies, so müsste eben
diese Tendenz ihrem eigenen Wesen widerstreiten. . Die tiefere
philosophische Betrachtung lehrt somit, im Stoffe selber den An-
fang und den Keim zu seiner künftigen Gestaltung zu suchen, und
eben in diesem inneren Streben zur Form seine Verwandtschaft
und Gemeinschaft mit den idealen Urbildern zu erkennen.?®) Wie
bei Platon und Plotin wird das Schöne zum Mittler zwischen der
sinnlichen und intelligiblen Welt. Die sinnlich vollendete Gestalt
ist es, an der der philosophische Eros sich zuerst entzündet, an der
die Seele sich ihres Ursprungs und ihres höchsten Zieles bewusst
wird. Für den Künstler ist der Gegensatz des Sinnlichen und
Intelligiblen ausgelöscht. „Sowie die wahre Philosophie zugleich
Musik und Poesie und Malerei ist, so ist auch die echte Malerei
zugleich Musik und Philosophie, die echte Poesie zugleich ein
Ausdruck und Bildnis der göttlichen Weisheit‘.®) In Brunos
Dialog „Degli eroici furori“, der der Entwicklung dieses Ge-
dankens gewidmet ist, zeigt sich die ganze Kraft der innerlichen