Die Erhaltung der Bewegungsmenge. 399
völlig den logischen Mechanismus der Ursächlichkeit: denn was
sich uns jetzt darbietet, ist nur die Tatsache, dass eine bestimmte
Geschwindigkeit an der einen Masse verschwindet, um an einer
andern wieder zum Vorschein zu kommen, dass also die Grund-
menge der „Bewegung“ eine neue Verteilung erhält. Die Unter-
schiede der Massen aber lassen sich für die wissenschaftliche
Betrachtung rein durch die Verschiedenheit von Zahlen, die
der Geschwindigkeit durch die Grösse und Richtung von
Raumstrecken zum Ausdruck bringen: die Analyse hat somit in
dem Begriff der „Ursache“ zuletzt keine anderen Bestandstücke,
als die Elemente der Arithmetik und Geometrie zurückgelassen., 42)
Wie diese Grundanschauung bis in die konkretesten Fragen der
Physik weitergewirkt hat, wie sie sich fortschreitend die Biologie
und insbesondere die Physiologie erobert hat, ist bekannt und
bedarf keiner näheren Ausführung.
Erinnern wir uns jetzt der Eingangssätze der „Regeln“, dass
der Intellekt eine unteilbare Einheit sei und von der Mannig-
faltigkeit der Probleme, denen er sich zuwendet, so wenig eine
innere Veränderung erfahre, wie das Licht der Sonne von
den Gegenständen, die es erleuchtet: so sehen wir, wie sie in-
zwischen Gestalt und Körper gewonnen haben. „Jetzt tragen die
Wissenschaften Larven — so schrieb der dreiundzwanzigjährige
Descartes in sein Tagebuch — und erst, wenn man diese entfernt,
würden sie in ihrer vollen Schönheit vor uns erscheinen. Wer
die Kette der Wissenschaften überschaut, dem wird es nicht
schwerer scheinen, sie insgesamt im Geiste zu beherrschen, als
die Reihe der Zahlen zu behalten“.4%) Die gesamte philo-
sophische Entwicklung Descartes’ ist der Erfüllung dieses
Wortes gewidmet. Die Maske, die uns das wahre Wesen der
Wissenschaften verdeckt, ist das besondere Objekt, dem sie
sich hingeben: die Kunst der Methode besteht darin, durch sie
hindurch den gemeinsamen Grundcharakter des Wissens
wiederzuentdecken. Die einheitliche Funktion des Erkennens
ist es, die jedes Wissen erst zum Wissen macht. Wie alle Zahlen
aus einer einzigen, genau bestimmten Operation des Zählens
hervorgehen, so sind alle besonderen Erkenntnisse aus der
„Methode“ zu gewinnen; wie hier der Weg ins Unbegrenzte führt,
die Richtung des Fortschritts aber genau und unzweideutig