Die Transscendenz des Unendlichen.
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zu verstehen, wenn sie sich nicht auf die Materie, sondern auf
die reinen Verknüpfungsformen des Denkens richtet? . Die Un-
endlichkeit, die diesen Formen eignet, ist kein Merkmal, das
von aussen an sie herangebracht und zu ihrer Leistung hinzu-
gefügt werden könnte; sie ist in ihrer Funktion unmittelbar
mitgesetzt. Indem ich den reinen Begriff der Zahl fasse, der,
wie Descartes selbst zugesteht, aus dem eigenen Selbst hervor-
gehend gedacht werden kann, habe ich mich damit bereits der
Grenzenlosigkeit im Fortschritt des Zählens versichert; indem ich
den Uebergang von n auf n+1 verstehe und mir zugleich be-
wusst werde, dass er von der Bestimmtheit des Einzelelements
anabhängig ist, liegt mir bereits der gesamte unendliche Inbe-
griff der Zahlenreihe deutlich vor Augen. Descartes spricht ge-
legentlich aus, dass die Substanz, sofern wir sie an sich selbst
lenken und ohne ihr eine einschränkende Bestimmung hinzu-
zufügen, damit unmittelbar als ein unendliches Sein ge-
setzt ist.) Wir können diesen Satz aus der Sprache der Meta-
physik in die der Methode, aus der des Seins in die der Er-
kenntnis zurückübersetzen: die reinen Operationen des Geistes
enthalten. in ihrer Definition bereits den Quell ihrer Unendlich-
keit. Descartes dagegen hat, indem er in der Unendlichkeit überall
ein jenseitiges Sein suchte, indem er in ihr nur einen Hinweis
sah, der uns zum absoluten Ursprung unserer Existenz zurück-
(ühren sollte, aus dem System der immanenten Begriffe und
Prinzipien, die für den Aufbau der Erfahrungswelt gelten, ein un-
ntbehrliches Moment ausgeschaltet. Er selbst hat in der Geo-
metrie ein Verfahren zur Anwendung gebracht, das den „Indi-
visibilien“ Cavalieris und Galileis entspricht; er ist in der Phy-
3ik von dem Satze der kontinuierlichen Erfüllung des Raumes
und der unendlichen Teilbarkeit ausgegangen. Die philoso-
phische Erörterung und Vertiefung dieser Gedanken aber hat er
überall geflissentlich mit der Begründung von sich gewiesen, dass
es sich für den beschränkten Menschengeist nicht zieme, in die
Geheimnisse des Unendlichen eindringen zu wollen. So ragt das
Mysterium jetzt bis mitten in die Grundbegriffe der Wissenschaft
hinein, die, als die Vorbilder jeder Erkenntnis, vor allem klar
und dem Geiste völlig durchsichtig gedacht werden müssten. ®)
Der Widerspruch gegen die Anfänge des Svstems. der sich