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Descartes,
das Eingeborene ihm einen fertigen aktuellen Inhalt bedeute, der
von Anfang an der Seele gegenwärtig sei. Er selbst kommt
immer wieder von neuem darauf zurück, dass es sich in ihm
aur um eine „Fähigkeit“ des Geistes handelt, bestimmte Be-
griffe in der Arbeit des Denkens und der vernünftigen Schluss-
folgerung ‘zu erzeugen und zu, begründen. Mit Recht darf er
daher gegenüber Einwänden, die schon zu seiner Zeit Jaut
wurden, darauf verweisen, dass keiner gründlicher und ener-
gischer als er selbst mit dem überflüssigen Hausrat „Scholas-
tischer Entitäten“ aufgeräumt habe.®) Und wenn Hobbes, dem
Gottesbegriff die Bezeichnung als „eingeborene Idee“ versagt,
weil er nicht unmittelbar in der Vorstellung gegeben ist, sondern
aur durch ein verwickeltes Schlussverfahren gewonnen werden
kann, so bezeichnet Descartes es umgekehrt als das entscheidende
Charakteristikum der echten „Ideen“, dass sie nur auf diesem
Wege zum Bewusstsein gebracht werden können.%) Fällt somit
hier der entscheidende Nachdruck auf die Aktivität des Denkens,
50 vermag die metaphysische Psychologie Descartes’ diesen Ge-
sichtspunkt nicht dauernd festzuhalten. Jetzt wird es als die
gemeinsame Eigentümlichkeit der „Ideen“ bezeichnet, dass sie —
im Gegensatz zu den Willensakten, zu denen auch alle Urteile
gerechnet werden — passive Bestimmtheiten des Bewusstseins
bedeuten. Wie im Wachs die Fähigkeit, verschiedene Gestalten
anzunehmen, nicht als eine Tätigkeit, sondern als ein Leiden
anzusehen ist, so müssen wir auch das Vermögen der Seele, bald
diese, bald jene Idee in sich zu empfangen, lediglich als eine
ruhende und indifferente Eigenschaft betrachten.®) Zwar ist
auch in dieser Scheidung und Abgrenzung der Gedanke, dass
unsere Vorstellung einer objektiven Wirklichkeit durch eine
Selbsttätigkeit des Geistes bedingt ist, nicht aufgegeben: — sind
es doch nach Descartes’ Grundanschauung eben die Urteile,
also die aktiven Elemente des Bewusstseins, die die gegebenen
sinnlichen Eindrücke erst zu „Gegenständen“ umzubilden ver-
mögen. (S. ob. S. 418 f) Wenn aber jetzt, statt von eingeborenen
Operationen und Akten des Geistes, dauernd von „eingeborenen
Ideen“ gesprochen wird, so erkennt man, dass in diesem Be-
zriff zwei widerstreitende Momente mit einander verschmolzen
sind. Hier gewinnt daher die sensualistische Kritik in der Tat