Full text : Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Die Methode der Geometrie.

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dadurch nicht berührt: „l’ordre de la g&ometrie est A la verite inferieur
 (a Vordre absolument accompli) en ce quwil est moins
convaincant, mais non pas en ce qu'il est moins certain“.
Gleichviel daher, welche Kritik wir vom Standpunkt des abso-\uten
 Wissens an der Geometrie üben: ihr Eigenwert und ihre
innere Selbstsicherheit wird hiervon nicht erschüttert. Die Wissenschaft
 kann im Vertrauen auf ihre ursprünglichen hypothetischen
 Setzungen fortschreiten und sich ausbilden, sie kann ihr
Gebiet sichern und abgrenzen, ohne von einer fremden Instanz
einen Einspruch fürchten zu müssen. Die Mathematik bleibt —
wie immer das Urteil lautet, das ein „unendlicher Verstand“
über sie fällen mag — das Maass und die Erfüllung unseres Intellekts:
 „ce qui passe la geometrie nous surpasse“, Sie allein ist
das Objekt, an dem unsere Logik sich üben und das Vorbild,
nach dem sie ihre Regeln bemessen kann. Es ist eine leere Selbsttäuschung,
 wenn man meint, diese Rangordnung umkehren zu
können; wenn man die geometrischen Beweise, statt in ihnen die
feststehende, sichere Orientierung zu sehen, als Spezialfälle abstrakter
 logischer Vorschriften zu begreifen sucht. Dass daher
die ersten Grundbegriffe, wie Raum, Zeit und Bewegung, keines
weiteren diskursiven Beweises fähig sind, dies wird hier, zu Beginn
 von Pascals Methodenlehre, noch keineswegs als ein innerer
Mangel empfunden. Das „natürliche Licht“ gibt uns eine tiefere
Gewähr ihrer Wahrheit und Beständigkeit, als jede abstrakte
Ableitung es zu tun vermöchte.‘) Das Vertrauen zu der Grundnatur
 unseres Verstandes ist hier noch nirgend erschüttert: sobald
es uns gelingt, sie rein zu erhalten und sie von allen Vorurteilen
der Sinne und der Phantasie zu scheiden, so besitzen wir in ihr
die unverrückbare und allgemeingültige Regel. Wir dürfen auf
eine Erklärung der Bewegung, wie etwa die Aristotelische Definition,
 sie sei die „Verwirklichung des Möglichen“, verzichten:
sind wir doch gewiss, dass Jeder von uns mit voller Sicherheit
und Eindeutigkeit den gleichen begrifflichen Inhalt mit dem
Wort „Bewegung“ verbindet. Ganz ebenso hatte — wiederum mit
Berufung auf das gleiche Aristotelische Beispiel — Descartes gesprochen.
 Gegen Herbert von Cherburys Schrift „De veritate“,
in der eine Begriffserklärung der „Wahrheit“ gesucht wird, hatte
er ausgeführt, dass jedes solche Bemühen müssig sei: „Wahrheit“
            
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