Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

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Logik und Kategorienlehre. 
der Logik der Cartesischen Schule vor allem das Bemühen, den 
modernen Inhalt in das überlieferte Gewand des Beweises und 
der Schlussfolgerung zu kleiden. Der Titel der Claubergschen 
Logik: „Logica vetus et nova“ ist bezeichnend für eine 
ganze litterarische Richtung, die mit diesem Werke ihren Ausgang 
nimmt. Die Vorrede dieser Schrift hebt ausdrücklich hervor, dass 
sie zu grösserer Vollendung hätte gelangen können, wenn die Rück- 
sicht auf die Forderungen der Zeit nicht eine Verbindung des 
Alten und Neuen verlangt hätte.) Und die neuen Motive selbst 
liegen hier mehr in der Richtung der Psychologie, als in der der 
eigentlichen Logik. Die individuellen und besonderen Bedingungen 
Jes Denkaktes, die Frage etwa, in welchem Lebensalter sich der 
Einzelne der Erforschung der Wahrheit zuerst zuwenden soll und 
welche Zeit und Stunde hierfür am geeignetsten sind, werden 
aingehend erwogen. Der Mechanismus des Denkens, nicht der 
Aufbau und der inhaltliche Zusammenhang der Gedanken steht 
‚m Mittelpunkt des Interesses. So sind es denn auch nicht sowohl 
Mathematik und Physik, als Grammatik und Rhetorik, zu denen 
die Logik hier in nahe Beziehung tritt.) Der gleiche Zug tritt 
uns sodann in der „Logique de Port Royal“, dem eigentlichen 
Schulbuch des Cartesianismus, entgegen. Auch hier werden die 
Beispiele zwar mit Vorliebe der Mathematik und der modernen 
empirischen Forschung entnommen, wodurch die Darstellung des 
Stoifes belebt und freier gestaltet wird: das Prinzip der Anordnung 
und des Beweisganges aber ist dennoch das alte Aristotelische ge- 
blieben. Die Abweichungen liegen wiederum zumeist im Gebiet 
der Psychologie: in dem breiten Raume, der der Erörterung der 
individuellen Förderungen und Hemmungen des Wissens gewährt 
wird, in der eingehenden Darstellung und Zergliederung der So- 
phismen, mit denen Eigenliebe und Leidenschaft unser Urteil zu 
täuschen pflegen. Es ist daher nicht sowohl die Methoden- 
lehre Descartes’, als die Idolenlehre Bacos, deren Geist hier 
fortlebt und weiterwirkt. Selbst Malebranche, der das me- 
!hodische Grundprinzip am reinsten bewahrt und weiterführt, 
kann gleichsam als Motto für seine gesamten Untersuchungen 
das Baconsche Wort wählen, dass alle unsere „Perceptionen“, 
die intellektuellen, wie die sinnlichen, uns den Gegenstand „nach 
der Analogie des Menschen, nicht nach der des Universums“ dar-
	        
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