Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Verhältnis der Logik zur Psychologie. 457 
stellen.!®) Ein Wort, das weiterhin der bedeutendste und origi- 
nalste Logiker der Cartesischen Schule, das Geulincx sich zu 
Eigen macht, um ihm einen vertieften Sinn abzugewinnen. — 
Sehen wir von den technischen Einzelfragen der Logik ab, 
um die gesamte Bewegung auf ihren philosophischen und er- 
kenntnistheoretischen Mittelpunkt zu beziehen, so werden wir 
hier von neuem auf das Kriterium der klaren und deutlichen 
Derceplion zurückgewiesen. Wiederum zeigt es sich, in einem 
anderen Zusammenhange, dass in ihm kein endgültiges Ziel 
ınd Ergebnis, sondern nur der Anfang zu neuen Problemen 
ixiert worden war. Welche Gewähr bietet der klare und deut- 
iiche Begriff für die Realität des Inhalts, der durch ihn dar- 
gestellt wird?” Diese Frage ist durch die Entwicklung des Systems 
keineswegs eindeutig beantwortet. Wenn es auf der einen Seite 
als das eigentliche Vorrecht der mathematischen Ideen angesehen 
wurde, dass sie von jeder Sorge um die objektive Wirklichkeit ab- 
sehen können: so wurde andererseits, an einem Punkte wenigstens, 
ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Begriff und Existenz 
gesucht. Die Forderung, dass jedem Inhalt der Vorstellung eine 
gleiche „formale“ Realität entsprechen und zu Grunde liegen 
müsse, wurde jetzt zum Range eines unmittelbar gewissen Axi- 
oms erhoben. (S. ob. S. 421f.) Damit aber war dem naiven Rea- 
lismus, den das Syslem von Anfang an zu bekämpfen hatte, 
wiederum ein Halt und ein Stützpunkt geboten. Während das 
zigentliche Ziel darauf gerichtet ist, die Wirklichkeit als letzte 
Resultante aus der Durchdringung und Wechselwirkung der 
einfachen Grundbegriffe zu gewinnen und allmählich entstehen 
zu lassen, so kann es jetzt scheinen, als trüge jede beliebige 
Einzelvorstellung die Gewähr ihrer objektiven Bedeutung und 
Geltung bereits unmittelbar in sich. In voller Deutlichkeit tritt 
uns diese Folgerung bei dem Cartesianer Regis entgegen, wenn 
3r es als allgemeinen Grundsatz hinstellt, dass allen „einfachen“ 
Ideen ein Objekt, das ihnen genau conform ist, entsprechen 
muss. Jeder Bewusstseinsinhalt hängt, sofern er nicht eine zu- 
fällige Zusammenfügung der verbindenden Tätigkeit des Geistes 
Jarstellt, von einem äusseren Gegenstand als seiner „vorbild- 
lichen Ursache“ (cause exemplaire) ab. Auch diejenigen Begriffe, 
die man als „eingeboren‘“ zu bezeichnen und aus dem Grunde
	        
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