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Logik und Kategorienlehre. — Geulinex.
der Seele selbst hervorgehen zu lassen pflegt, sind in Wahrheit
Abbilder und „Portraits“ einer absoluten Wirklichkeit: wären sie
es nicht, so würde damit auch ihr gesamter, innerer Erkenntnis-
gehalt hinfällig. Der Geist vermöchte die Idee. eines Dreiecks
oder einer sonstigen Figur nicht zu bilden, wenn nicht wenig-
stens das allgemeine Substrat dieser Einzelgestalten, wenn nicht
die Ausdehnung in Länge, Breite und Tiefe, unabhängig von
unserem Denken, ein gesondertes, stoffliches Dasein hätte. Der
Satz, dass es Ideen geben könne ohne einen Gegenstand, der
‘hnen entspricht und sie verursacht, ist daher lediglich ein vul-
gäres philosophisches Vorurteil. Selbst die. abstraktesten und
allgemeinsten Sätze der Geometrie und Arithmetik müssen ihren
eigentlichen Halt im Gebiet der aktuellen, physischen Existenz
zuchen: man hebe den Inbegriff der geschaffenen Substanzen
auf, und alle „Wahrheiten“ müssten mit ihnen zugleich dahin-
schwinden. „Ewige Wahrheiten“ kann es somit so wenig, wie
ewige Dinge geben; was man mit diesem Ausdruck bezeichnet,
sind Sätze, deren Subjekten, dank einer willkürlichen göttlichen
Verfügung, dauernde und unveränderte Existenz zukommt. 19)
So dient hier das Ausgehen von dem „klaren und deutlichen“
Postulat der Ursächlichkeit dazu, das Gesamtgebiet der „Ideen“
selbst innerlich abhängig und unselbständig zu machen. Der
Zirkelschluss, der sich schon bei Descartes ankündigte, liegt jetzt
offen zu Tage. Die äussere Wirklichkeit wird vermittels des
Schlusses von der Wirkung auf die Ursache bewiesen, aber eben
dieses erschlossene und vermittelte Sein masst sich das unbe-
Aingte Urteil über die Geltung aller unserer Grunderkenntnisse an.
Es ist daher ein entschiedener Fortschritt, wenn Geulinex
im Gegensatz zu derartigen Wendungen auf den originalen Grund-
gedanken des Systems zurückgreilt, indem er von einer scharfen
Scheidung zwischen der Welt. der Verstandesbegriffe und der
absoluten Existenz seinen Ausgang nimmt. Die Sonderung
verschärft sich ihm zum völligen logischen Gegensatz: wo immer
wir einem Inhalt das Gepräge und das Gesetz unseres Verstandes
aufdrücken, da sind wir eben damit sicher, ihn nicht mehr in
seiner unabhängigen, unveränderlichen Wesenheit aufzunehmen
and zu begreifen. Die Kritik, mit der Descartes begann, gilt es
daher zu. vertiefen und fortzusetzen. Wie wir gelernt haben.