Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

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Zogik und Kategorienlehre. — Geulinex. 
Verstandes, die wir zuvor unbewusst zur Anwendung brachten, 
gilt es mit voller Einsicht in ihren Charakter zu brauchen. 
Wie das blosse Gesichtsbild des gebrochenen Stabes für den 
Mann dasselbe wie für den Knaben bleibt, wie beide sich aber 
in ihrem Urteil über den sinnlichen Eindruck unterscheiden, 
so besteht die Aufgabe der Erkenntnis darin, nicht sowohl unser 
Weltbild als Ganzes umzugestalten, als es nur einer an- 
leren Betrachtungs- und Beurteilungsweise zu unterwerfen. 21) 
Wie der Gegensatz des Guten und Bösem nicht in den Dingen 
liegt, sondern von uns erst auf sie übertragen wird, so gilt das 
Gleiche für Wahr und Falsch, für Sein und Nichtsein.2) 
Der Gedanke, der Descartes’ Regeln zu Grunde lag, kann nicht 
schärfer erfasst und zu Ende gedacht werden, als es hier geschieht. 
Geulincx selbst sieht in diesen Entwicklungen die eigentliche 
Grenzscheide zwischen der Aristotelischen und der modernen Denk- 
art. Wie sich die naive Weltanschauung der schärferen kritischen 
Prüfung als eine Illusion der Empfindung erweist, so erweist sich 
die gesamte scholastische Philosophie als eine einzige, zusammen- 
hängende Illusion des Begriffs. Schon der allgemeinste Be- 
griff des Seins, von dem sie ihren Ausgang nimmt, legt hierfür 
Zeugnis ab; schon in ihm heften wir eine Eigentümlichkeit, die 
ihren Grund und Ursprung allein im Denken hat, den Dingen 
selbst an. Weil wir in unseren Gedanken alle Bestimmungen 
und Eigenschaften auf irgend ein „Etwas“ ‘Zurückbeziehen, weil 
wir verschiedene Prädikate, um ihren Zusammenhang zu kenn- 
zeichnen, ein und demselben „Subjekt“ anhaftend denken, so ge- 
langen wir schliesslich dazu, dieses formelle Subjekt der Aus- 
3age, diesen rein gedachten Coordinatenpunkt mit einer tatsäch- 
lichen Existenz zu verwechseln.2®) Das Gleiche gilt von den 
Grundbegriffen des Ganzen und des Teils, der Einheit und der 
Mehrheit. Auch sie entstammen lediglich einer Setzung des 
Geistes: „Eins“ nennen wir einen Inhalt, den unser Denken in 
in und demselben unteilbaren Akte erfasst und sich zu Eigen 
macht. Nicht den Dingen, sondern der Art ihrer „Apprehension‘“ 
eignet somit diese Bezeichnung und dieser Charakter: „sicuti mani- 
Dulus unus manipulus est, quia simul et semel manu apprehendun- 
ur aliqua, etiamsi multa sint quae ingrediuntur; sic etiam quic- 
Tuid intellectus apprehensione sua simul et semel corraserit. et
	        
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