Full text : Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

DL

Zr

Die Ideenlehre. — Malehranche.

änderung. Der Zustand unserer Organe, wie die äusseren psychologischen
 Nebenumstände der Wahrnehmung entscheiden darüber,
 welche Grösse wir einer bestimmten Raumstrecke oder
einer gegebenen Zeitdauer zuschreiben. Denken wir uns, dass
der Gesamtverlauf unserer Vorstellungen plötzlich beschleunigt
oder. verlangsamt würde, so müsste sich damit unser Urteil über
alles äussere Geschehen und die Geschwindigkeit seines Ablaufs
notwendig ändern. So scheint alle gedankliche Entscheidung
über die Wirklichkeit in den Umkreis der blossen Empfindung
hineingezogen und der gleichen Bedingtheit, wie diese, unterworfen.
 Da unsere Sinne uns lediglich zur Erhaltung des Lebens,
nicht zur Erkenntnis der Wahrheit gegeben sind, so erschliessen
sie uns nirgends das einzelne, unabhängige Sein eines Dinges,
sondern lehren uns nur seine Reaktion und seine Unterscheidung
gegen andere kennen, da Beides hinreicht, um unser praktisches
Verhalten gegenüber der Mannigfaltigkeit der Objekte zu leiten. 5)
Die Relativität erscheint somit hier als ein Kennzeichen, das die
begrenzte und eingeschränkte Welt unserer Empfindung charakterisiert:
 es ist ein biologisches, nicht ein logisches Motiv. aus
dem sie hergeleitet und begründet wird.
Zu tieferer Auffassung und Schätzung aber werden wir geführt,
 sobald Malebranche sich der Darstellung seiner Methodenlehre
 zuwendet. Jetzt ist es der Grundgehalt von Descartes’
„Regeln“, der in ihm von neuem lebendig wird und der von ihm
sicherer und bestimmter als von irgend einem anderen Schüler
und Nachfolger ergriffen und weitergeführt wird. Auch er geht
von der Forderung einer Allgemeinwissenschaft aus, von
der alle besonderen Erkenntnisse nur Einzelanwendungen sein
sollen; auch er führt insbesondere die Wissenschaften der Natur,
soweit sie wie die Mechanik und die Astronomie zu exakten Ergebnissen
 gelangen, auf die „universelle Geometrie“ als ihre hinreichende
 und notwendige Bedingung zurück. Alle „spekulativen
Wahrheiten“ haben es mit nichts anderem, als mit den Beziehungen
 der Dinge und weiterhin mit den „Beziehungen der Beziehungen“
 zu tun. Ihr gesamter Gehalt und Gegenstand muss
daher in den Verhältnissen zwischen‘Linien seine genaue symbolische
 Bezeichnung und ‘seine erschöpfende sachliche Darstellung
 finden.) (Vergl. oben S. 389 ff.) Dieser Zusammenhang,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.