Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Die Kritik des Seinsbegriffs. — Platon. 
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ihr ergibt, zu fixieren. Sein Thema und sein alleiniges Problem ist 
nicht mehr das Sein, in welcher Gestalt und Umformung es auch 
ergriffen werden möge, sondern schlechthin das Wissen und seine 
Grundlagen. Man begreift es daher; wenn ihm selbst, auf den Höhe- 
punkten seiner Spekulation, alle Leistung der Vorgänger, so sehr er 
beständig auf sie zurückweist, doch fast wie ein — Mythus erscheinen 
will: sofern sie stets eben das vorausgesetzt haben, was einzig und 
allein in Frage steht. Auch der „Vater Parmenides“, den er vor allen 
andern „gross und verehrungswürdig“ nennt und dessen edle Tiefe 
er rühmt, wird von diesem Urteil nicht ausgenommen. Er, wie 
alle anderen, die jemals an eine Scheidung (xpicıc) des Seienden 
sich gewagt hätten, um zu bestimmen, von welcher Art und wie 
vielerlei es sei, wären „etwas obenhin“ verfahren. „Jeder, scheint 
es, hat uns sein Geschichtchen (uö90v tıya) erzählt, wie Kindern. Der 
Eine, dreierlei wäre das seiende, bisweilen einiges davon mitein- 
ander in Streit, dann wieder alles Freund, da es dann Hochzeiten 
gibt und Zeugungen und Auferziehungen des Erzeugten. Ein An- 
derer beschreibt es zweifach, feucht und trocken oder warm und 
kalt, und bringt beides zusammen und stattet es aus. Unser Ge- 
schlecht der Eleaten aber, vom Xenophanes und noch früher 
angefangen, trägt seine Geschichte so vor, als ob, was wir All 
nennen, nur Eines wäre. Gewisse Jonische und Sikelische Musen 
aber haben späterhin gemerkt, es wäre sicherer, beides zu ver- 
knüpfen und zu sagen, das Seiende sei zugleich Vieles und Eines 
und werde durch Hass und Liebe zusammengehalten . . . Ob nun 
an dem allen einer von ihnen etwas Wahres gesagt hat, oder nicht; 
das ist schwer zu entscheiden, und es ist wohl auch frevelhaft, 
gegen so hoch berühmte Männer der Vorzeit Vorwürfe zu erheben: 
soviel aber kann man doch, ohne sich irgend zu vergehen, be- 
haupten, dass sie allzusehr über uns, die grosse Menge, hinweg- 
gesehen und wenig auf uns Acht genommen haben. Denn ohne 
irgend danach zu fragen, ob wir ihnen folgen können, oder zurück- 
bleiben, vollenden sie alle ihren Spruch... Ich meine nun, wir 
müssten die Methode anwenden, sie zu befragen, als ob sie selbst 
gegenwärtig wären. Ihr, die Ihr vom All sagt, es sei warm und 
kalt oder irgend ein anderes derartiges Gegensatzpaar, was sagl 
Ihr von diesen beiden Gliedern eigentlich aus, indem Ihr von 
jedem einzelnen und von ihnen insgesamt behauptet. dass sie sind
	        
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