Full text : Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

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Kinteitung.

Einheit des Begriffs zusammenschliesst und die ihnen damit „das
Siegel des Seins aufdrückt‘“.?®) Und das ist das Charakteristische
dieses neuen Seins, dass es für uns nicht von Anfang an vorhanden
 ist, sondern dass wir es erst zu entdecken und zu beglaubigen
 haben, indem wir „uns selbst befragen und uns Rede stehen“.
Von diesem Fundament der dialektischen Methode, das ihren
eigentlichen Mutterboden bildet, lässt sich die „Idee“ nicht loslösen,
 ohne ihres tiefsten Sinnes verlustig zu gehen.?t) Die „Teilhabe“
 der Erscheinung an den Ideen bedeutet in diesem Zusammenhang
 nichts anderes und nichts Rätselhafteres, als dass die
Urteile über empirische Verknüpfungen, um auch nur die relative
 Sicherheit zu gewinnen, deren sie fähig sind, anderer rein
„abstrakter“ Wahrheiten bedürfen, auf die sie sich zurückbeziehen.
Wir vermöchten über die Verhältnisse der fliessenden sinnlichen
Dinge nichts auszusagen, wenn wir nicht dabei auf die dauernden
Beziehungen hinblicken könnten, die wir unvermischt und „an
sich selbst“ («dto xad”abrc) erfassen. Wenn wir die nirgend standhaltenden
 Wahrnehmungen des Gesichts- und Tastsinnes zu festen
Gestalten abgrenzen und gliedern wollen, wenn wir sie zu einer Geraden
 oder Kugel „zusammenschauen“ wollen, so muss das Modell
einer derartigen geometrischen Figur uns innerlich bereits vor
Augen stehen und unsere Betrachtung leiten. Und so entwirft das
Denken, aus sich selbst und ohne ein äusseres Organ, eine Welt
von geistigen Musterbildern, an denen es die verfliessenden Erscheinungen
 beurteilt und misst. Die Grundoperation, die das
griechische Denken in seinem gesamten Fortschritt betätigt hat,
ist nunmehr herausgestellt und begründet. —
Aber freilich begreifen wir auch, vor welche inneren Schwievigkeiten
 dieser erste entscheidende Schritt uns alsbald stellen
muss. Es ist das Bewusstsein und das Selbstgefühl seiner fundamentalen
 Entdeckung, die Platon immer wieder auf den Gedanken
 der reinen Wissenschaft zurückkommen, die ihn immer von
neuem die Trennung hervorheben lässt, die zwischen der Welt
der ewigen gedanklichen Urbilder und dem veränderlichen Bereich
der Einzeltatsachen besteht. In fruchtbarer Einseitigkeit verweilt
er bei dem Gedanken der strengen, theoretischen Deduktion; weist
er jeden Versuch ab, den Charakter und den logischen Wert einer
Wissenschaft nach dem Gebrauch. die sie im Gebiet des Em-
            
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