Object: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Ausbau des römischen Reiches deutscher Nation. 255 
Mainzer Erzbischof aus Rücksicht auf seine bischöfliche Dis— 
riplinargewalt verweigert hatte, vom Kölner Oberhirten krönen 
und weihen zu lassen; kein Recht des Reiches hat er dem 
Stamme und seinen Großen geopfert. In Sachsen gewann er 
die Gemüter durch loyale Anerkennung des unter Heinrich II. 
geschaffenen Zustandes; darüber hinaus zog er von den Slawen 
rechts der Elbe anscheinend längst vergessene Tribute ein. 
Kaum mehr als ein Vierteljahr hatte Konrad bedurft, 
um den durch Heinrich II. begründeten Zustand des Reiches als 
die Grundlage auch seiner Regierung zu gewinnen; seit Beginn 
des Jahres 1025 vermochte er weiter zu schreiten. Er ging 
nach dem Süden; in Augsburg verweigerte er allem Anschein 
nach Konrad dem Jüngeren die Erfüllung der Bedingungen, 
darunter dieser auf die Wahl verzichtet hatte; in Regensburg 
demütigte er zum ersten Male Adalbero, den ihm als angeblichen 
Räuber des Herzogtums Kärnten verhaßten Herzog, indem er 
seinen Machtbereich um eine neubegründete Mark zwischen Sau 
und Drau verkürzte. 
Es war klar, wessen man sich von diesem Herrscher zu ver⸗ 
sehen hatte. Scharf und streng, sparsam und zusammenhaltend, 
bon unversöhnlichem Haß gegen seine Feinde, allen gegenüber 
von furchtbarer Leidenschaftlichkeit, rücksichtslos seinen Zielen 
zustrebend, aber nur selten über die Grenzen des Rechtes hinaus, 
schien Konrad ganz der Mann, auf den mühsam gewonnenen 
Grundlagen Heinrichs II. die Selbstherrschaft Ottos des 
Großen von neuem zu errichten. 
Und schon zog es den König von dem beruhigten Deutsch- 
land hinweg nach Italien. Auch hier dieselben Mittel, derselbe 
Erfolg. Im Februar 1026 trat das Reichsheer in Augsburg 
zusammen; vor dem Zuge über die Alpen hatten die Großen 
die soeben vorgenommene Designation Heinrichs, des unmündigen 
Sohnes Konrads, zum König und Reichverweser zu genehmigen. 
Dann ging es über die schneeverwehten Pfade des Hochgebirgs 
hinab nach der brandenden Lombardei. In strengen Heeres⸗ 
zügen beruhigte Konrad das Land; fast nie hat ein deutscher 
König jenseits der Berge geherrscht, wie er. Dann empfing
	        
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