Giordano Bruno.
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cat, tanquam non illi sit aliquid primum, ex quo magnitudines
coalescant, tum arti, quam nihil possimus vel imaginari nisi
quadam prima parte supposita mensurantem.“ De min. I, 7,
Ss. 158f
%) Um Leibniz’ Abhängigkeit von Bruno zu erweisen, beruft
sich Brunnhofer vor allem auf die Uebereinstimmung in den
metaphysischen Formeln beider Systeme. „Der Inhalt der phi-
losophischen Ideen ist sich von Thales bis auf Hegel im grossen
und ganzen gleich geblieben, nur die Form oder die Formeln;
in welcher dieselben vorgetragen worden sind, hat die reichste
Mannigfaltigkeit ihrer Nüancierung erfahren. Aber gerade
diese Formeln machen in ihrer geschichtlichen Auf-
einanderfolge die wahre Geschichte der Philosophie
aus“! (Giordano Brunos Lehre vom Kleinsten als die Quelle der
praestabilierten Harmonie von Leibniz. Lpz. 1890. S. 9.): Man
begreift, wie Brunnhofer von diesem Standpunkt aus darauf ver-
zichten durfte, auf den sachlichen Sinn der einzelnen Leibnizischen
Grundbegriffe und ihren systematischen Zusammenhang über-
haupt einzugehen. Uebrigens kann man zugeben, dass auch Unter-
suchungen über die Sprachentwicklung der Philosophie,
falls sie sich nicht an die Stelle der sachlichen Erkenntnis setzen
wollen, ihren Wert und ihre relative Bedeutung haben. Nur
müssen sie alsdann nicht zwei vereinzelte Phasen herausgreifen
und einander gegenüberstellen, sondern dem stetigen Gang der
geschichtlichen Entwicklung folgen und auf die Entdeckung der
mannigfaltigen historischen Zwischenstufen gerichtet sein. Ge-
rade dies aber hat Brunnhofers Darstellung durchweg versäumt; es
ist ihr daher begegnet, Wendungen, die das sprachliche und geistige
Gemeingut der ganzen Epoche der Renaissance sind, auf Bruno
als ihren einzigen Urheber zurückzuführen. Dass z. B. das Uni-
versum das Bildnis und „Symbol“ der Gottheit und daher der
Quell der wahren Gotteserkenntnis ist, ist ein Gedanke, der zum
mindesten seit Raymund von Sabunde beständig wiederkehrt, der
von Skeptikern, wie Sanchez und Montaigne bekämpft, von Meta-
physikern, wie Marsilius Ficinus und Campanella, in immer
neuen Wendungen verfochten und behauptet wird. (S. ob. S. 166 f.,
vgl. bes. den Kommentar des Marsilius Ficinus zu Dionysius
Areopagita „De trinitate“ Opera II, S. 7). Wird weiterhin das In-