fullscreen : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  III.  Die  Pessimisten.

183

sinkenden  Gewinnes  zuerst  von  einem  großen  Vertreter  des  Kapitalismus ­
  entdeckt  worden  ist.  Wenn  ihn  etwas  beruhigte,  so  war  es
die  Betrachtung  der  gegenwirkenden  Kräfte,  die  das  Sinken  des
Profits  zur  gleichen  Zeit  wie  das  Steigen  der  Rente  in  Schranken
halten  konnten:  die  wirksamste  dieser  Kräfte  erblickte  er  in  der
Freiheit  des  Außenhandels  (siehe  den  folg.  §  3).
Im  großen  und  ganzen  treten  jetzt  die  allgemeinen  Grundzüge
der  Einkommensverteilung  mit  eindrucksvoller  Einfachheit  hervor,
viel  klarer,  als  in  dem  berühmten  „Tableau  Economique“  QuesnaVs
und  der  Wirklichkeit  viel  näher,  —  wenigstens  für  die  Zustände,
wie  sie  zur  Zeit  Ricaedo’s  in  England  bestanden,  denn  heute  fügen
sie  sich  nicht  mehr  den  Tatsachen  ein.  Man  könnte  sie  in  einem
Diagramm  dreier  Linien  veranschaulichen.
Die  obere  steigende  Linie  würde  den  Anteil  des  Bodens,  die
Bodenrente,  darstellen.  Die  Rente  des  Grundbesitzes  wächst  in  zweifacher ­
  Weise:  in  natura  und  in  Geld,  denn  im  Maßstab,  wie  die  Bevölkerung ­
  oder  die  Bedürfnisse  steigen,  erhält  er  eine  immer  größere
Menge  Getreide,  das  immer  teuerer  wird.  Jedoch  kann  dieses  Wachstum ­
  nicht  endlos  sich  fortsetzen,  denn  an  einem  bestimmten  Punkt
angelangt,  verhindert  die  Erhöhung  des  Getreidepreises  den  weiteren
Bevölkerungszuwachs  und  folglich  zur  gleichen  Zeit  auch  die  weitere
Steigerung  der  Rente,  da  es  dann  nicht  mehr  nötig  sein  würde,  neuen
Boden  in  Bewirtschaftung  zu  nehmen.
In  der  Mitte  würde  eine  horizontale  Linie  den  Anteil  der
Arbeit,  den  Lohn,  darstellen.  Der  Reallohn  des  Arbeiters  bleibt
stationär,  denn  er  erhält  stets  nur  die  zu  seinem  Lebensunterhalt
nötige  Getreidemenge,  weder  mehr  noch  weniger.  Da  das  Getreide
ständig  im  Preise  steigt,  so  wird  freilich  sein  Nominallohn  (in  Geld
ausgedrückt)  höher,  was  aber  ohne  wirklichen  Vorteil  für  ihn  ist.
Unten  stellt  eine  absteigende  Linie  den  Anteil  des  Kapitals,
den  Profit  vor.  Der  Anteil  des  Kapitalisten  sinkt 1 )  aus  dem  ein!) ­

  Um  diese  Verminderung  des  Anteils  des  Kapitals  zu  bezeichnen,  wendet
Eioakdo  häufig  den  Ausdruck  „fallender  Profitsatz“  an.  Das  ist  jedoch  nicht  gleichbedeutend, ­
  denn  der  Profitsatz  drückt  nur  ein  gewisses  Verhältnis  zwischen  dem  Betrag
des  Einkommens  und  dem  Betrag  des  Kapitals  aus,  z.  B.  5  °/ 0 ,  —  keineswegs  aber
einen  Vergleich  zwischen  dem  wirklich  vom  Kapital  erhaltenen  Teil  und  dem,  den
die  Arbeit  am  Gesamtprodukt  hat.  Man  kann  natürlich  zugeben,  daß  bei  einer  Verringerung ­
  des  Profitsatzes,  und  wenn  alles  andere  gleich  bleibt,  der  Anteil
des  Kapital  im  Verhältnis  zur  Arbeit  geringer  wird;  es  ist  aber  klar,  daß  bei  einer
Verdoppelung  des  in  einem  Unternehmen  angelegten  Kapitals,  oder  bei  einer  Verringerung ­
  der  Produktion  um  die  Hälfte,  das  Kapital  doch  einen  beträchtlicheren  Teil
erhebt  und  deshalb  der  Arbeit  einen  geringeren  läßt,  auch  wenn  der  Profitsatz  von
5  °/ 0  auf  3  °/ 0  erniedrigt  wird.  Die  gleiche  Frage  wird  uns  auch  bei  Bastiat  entgegentreten, ­
  der  denselben  Fehler  gemacht  hat.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.