203
Unter diesen Umständen erlauben sich die unterzeichneten Organi
sationen, das Kriegsministerium um Schaffung einer Zentralstelle für-
die systematische Verteilung der Heeresaufträge unter Zugrundelegung
folgenden Organisationsplanes zu bitten:
Es wird eine Zentralstelle geschaffen mit der Aufgabe, die besonders
notleidenden Gegenden festzustellen und die Ueberleitung entsprechender
Aufträge dorthin in die Wege zu leiten. Zur Unterstützung der Zentral
stelle wird ein sachverständiger Beirat geschaffen, in dem folgende Or
ganisationen vertreten sind:
Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands, Berlin SO. 16,.
Engeluser 15.
Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften-, Cöln, Venloerwall 9.
Verband der Deutschen Gewerkvereine H.-D., Berlin, Greifswalder
Straße 221.
Ständiger Ausschuß zur Förderung der Arbeiterinnen-Jnteressen.
Auskuuftsstelle für Heimarbeitreform. Berlin W. 30, Nollendors-
straße 29/30.
Verband Deutscher Arbeitsnachweise, Berlin SO. 16, am Köllnischen
Park 3.
Deutscher Städtetag, Berlin, Poststraße 17.
Reichsverband Deutscher Städte, Pleß.
Handelstag, Berlin, Neue Friedrichstrahe 13/44.
Handwerks- und Gewerbekammertag, Hannover.
1. Der Ausschuß ist lediglich als begutachtende Stelle gedacht, tritt
auch nach außen nur als sachverständiger Beirat ins Leben. Er bildet
keine eigene Organisation mit eigener Kassenverwältung und eigenen
Organen. Die Militärbehörde bleibt nach wie vor die vergebende Stelle:
sie nimmt die Anerbietungen an und verteilt die Aufträge. Die Militär
behörde behält sich das volle Bestimmungsrecht über die Zusammen
setzung des Ausschusses vor und ladet ihn je nach Bedarf ein.
2. Als Unterbau sind Organisationen zu schaffen, die je nach Lage
der Dinge den Bereich einer mittleren oder höheren Verwaltungsbehörde
umfassen und die innerhalb ihres Bezirkes die Weiterverteilung der Auf
träge unter Hinzuziehung von Vertretern der Arbeitgeber und Arbeit
nehmer besorgen.
3. Für die Verteilung der Aufträge ist in erster Linie die herrschende
Arbeitslosigkeit maßgebend, doch ist stets in Betracht zu ziehen, ob nicht
statt der Gewährung von Heevesaufträgen in Heimarbeit die Ueber-
führung der Arbeitslosen in benachbarte arbeitshungrige Industrien mög
lich ist.
4. Nach Möglichkeit sollte Heimarbeit nur nach solchen Orten gegeben
werden, wo bereits vor dem Kriege Heimarbeit bestand in dem betreffen-