Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Gott und Welt. 
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ander bezogen und mit einander verknüpft. Indem wir alle Be- 
stimmtheit, die dem Wissen und seinem endlichen Objekt eignet, 
fortschreitend verneinen und aufheben, gelangen wir damit zum 
Sein und zur Inhaltsbestimmung des Absoluten. Da alles Er- 
kennen in einem Messen besteht, in einer Gleichung, die zwischen 
dem gesuchten Inhalt und bestimmten bekannten Elementen her- 
gestellt wird, so bleibt das Unendliche, da es über alle Propor- 
tion hinaus liegt, der Funktion des Begriffs unzugänglich. Alles 
Denken und Benennen geht in einem Trennen und Unterscheiden 
auf, erreicht daher die höchste Einheit nicht, die allen Gegen- 
sätzen entrückt sein muss, um jedweden Inhalt zu umfassen und 
an ihm teilhaben zu können. Sprache und Begriff bleiben gleich- 
mässig an das abhängige und eingeschränkte Sein gebunden; sie 
vermögen das Wesen ihres Objekts nicht an und für sich, son- 
dern nur in der Differenz und Entgegensetzung gegen andere In- 
halte zu bestimmen. Ueber diese gesamte Sphäre der „Anders- 
heit“ gilt es sich zu erheben, um das höchste Sein zu erreichen. 
Je mehr wir das Moment der Mannigfaltigkeit zurückdrängen, 
je weiter wir alle Mehrheit und Verschiedenheit entfernen, desto 
reiner erfassen wir den Sinn und Gehalt der ersten und absoluten 
Einheit. Gott selbst ist weder das Leben noch die Wahrheit, 
sondern liegt über diese, wie über alle anderen intelligiblen Be- 
stimmungen hinaus: der „Himmel des Intellekts“ vermag ihn 
nicht zu fassen und in sich zu schliessen. Nur durch ein Hin- 
wegschreiten über alle Proportion, über alle Vergleichung und 
allen Begrift (per transscensum omnium proportionum, compa- 
rationum et ratiocinationum) vermögen wir uns seiner Anschauung 
zu nähern.'!) Die Fülle und das gegensätzliche Leben der Er- 
scheinungswelt bildet das Hemmnis, das uns von der echten 
Gotteserkenntnis ausschliesst. 
Damit aber ist nicht nur die Begreiflichkeit des göttlichen 
Urwesens aufgehoben, sondern zugleich das Sein und die innere 
Möglichkeit des Einzelwesens zu einem unlösbaren Problem ge- 
worden. Das Geschöpf kann nicht als Folge aus dem göttlichen 
Grunde des Seins, der alle Vielheit und alle Zerfällung von sich 
abweist, begriffen und hergeleitet werden. Keine innere gedank- 
liche Notwendigkeit ist es, die sein Dasein erklärt und recht- 
fertigt. Das Einzelwesen bleibt das schlechthin „Zufällige“, der
	        
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