Nikolaus Cusanus.
empirischen Seins: mens per se est dei imago; omnia post men-
‚em, non nisi per mentem.%)
Zwei verschiedene Motive und Weisen der Behandlung sind
es somit, die sich im Begriff der „assimilatio“ durchdringen. Den
Anfang bildet eine Analyse und Deutung des Prozesses der Wahr-
nehmung, in welchem der Geist, nach Cusa, zwar ursprünglich
passiv bestimmt wird, in dem er aber nichtsdestoweniger alsbald
spezifische Energien und Kräfte entwickelt. Die Seele selbst ent-
sendet durch Vermittlung der peripherischen Organe bestimmt
unterschiedene „Spezies“, die sich gemäss den Einwirkungen von
jen Objekten mannigfach umbilden und damit die wechselnde
Vielheit der Eindrücke zustande bringen. WUeberall ist hierbei
nicht nur die Natur des äusseren Gegenstandes, sondern zugleich
Jie Beschaffenheit des aufnehmenden Mediums für die Art der
Sinnesempfindung bestimmend: wie denn der feine „Arteriengeist“,
der sich im Auge befindet, nur für die Eindrücke der Gestalten
and Farben, nicht für die des Tones empfänglich ist. Daher
müssen wir weitergehend einen „Geist“ (spiritus) annehmen, der,
an die Unterschiede der Einzelsinne nicht mehr gebunden, sich
gsleichmässig allen Inhalten der verschiedenen Gebiete anzupassen
vermag und der sie damit unter einander vergleichbar und auf
einander beziehbar macht. Diese Beziehung, die im Organ der
„Einbildungskraft‘, noch unbestimmt und verworren ist, wird
schliesslich im Organ der „Vernunft“ zu distinkter Bestimmtheit
erhoben.?!) Dennoch bleibt in diesem gesamten fortschreitenden
Prozess die Abhängigkeit von dem ersten Material, das uns die
Sinne darbieten, durchgehend erhalten und bewahrt: die Begriffe
der Vernunft stellen denselben Inhalt, wie die unmittelbare
Wahrnehmung, nur in klarerer und deutlicherer Scheidung und
\bgrenzung dar, Sie bleiben daher mit allem Mangel des anfäng-
'ichen Sinneneindruckes behaftet. Dem diskursiven Denken, das
im Grunde nichts anderes als ein Ordnen und Klassifizieren der
Emplindungsdaten ist, ist die cchte „Präzision“ versagt: was es
zu erreichen vermag, bleibt immer nur relative und angenäherte
Gewissheit. In allem Wissen um einen empirischen. Inhalt
treten uns daher die „reinen Formen“, auf die unser Erkennen.im
‚etzten Sinne abzielt. nur schattenhaft entgegen: die Kraft der