Objekt und Funktion des Denkens.
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in der Philosophie des Nikolaus Cusanus hinzuweisen, noch auch
ihn etwa damit schlichten zu wollen, dass man die beiden entgegengesetzten
Denkrichtungen verschiedenen zeitlichen Phasen
des Systems zuweist. Wir müssen, wenn anders die Kontinuität
und Einheit des Grundgedankens erhalten bleiben soll, eine logische
Vermittlung erwarten und einen sachlichen Ausgleich fordern.
Fragen wir zunächst, worauf die behauptete Entsprechung
zwischen dem Geiste und der absoluten Wirklichkeit beruht, so
sehen wir vor allem, dass es sich hier nicht um ein Abbilden,
nicht um eine Kopie des transscendenten Seins in irgend einem
Objekt des Bewusstseins handeln kann. Kein einzelner Begriif,
kein festes Datum der Vorstellung oder des Denkens, sondern
lediglich die Operationen und Tätigkeiten des Intellekts,
aus denen jene Einzelgebilde sich entwickeln, bilden den zutreffenden
Vergleichspunkt. Von jedem bestimmten Inhalt des Bewusstseins
streng gesondert und geschieden, spiegelt sich die
höchste, schöpferische Ursache dennoch in der allgemeinen
Funktion des Bewusstseins wieder: durch keine Bestimmtheit
des Denkens zu erfassen, erweist sie dennoch ihren Zusammenhang
mit der Einheit und dem Prinzip des Bestimmens.
Diese letzte moderne Formulierung wird man freilich bei Cusanus
nicht suchen: der Gedanke selbst aber bildet überall die
latente Voraussetzung, unter der die widerstreitenden Sätze des
Systems sich sogleich zur Einheit zusammenschliessen. Wenn wir
nach einem Bild und Beispiel für das göttliche Sein verlangen, so
dürfen wir es — wie Cusanus selber ausführt — nicht im Bereich
des Sichtbaren, sondern lediglich im Akt des Sehens selbst
suchen.‘°) Gott ist die reine, unumschränkte Tätigkeit des Sehens,
die sich in keinem Einzelobjekt bindet; die Grundkraft des Erkennens,
die sich in keinem ihrer Erzeugnisse begrenzt. In ihm
ist der Gegensatz zwischen Subjekt und Objekt, zwischen dem
Prozess des Erkennens und seinem Gegenstande aufgehoben:
„purissimus intellectus omne intelligibile intellectum esse facit:
cum omne intelligibile in ipso intellectu sit intellectus ipse“.#)
So verhält er sich zur Welt, wie das Eine Licht zu den mannigfaltigen
Farben, in deren jeder es als Voraussetzung enthalten ist,
ohne doch jemals in irgend einer von ihnen rein und ungebrochen
aufzugehen.*”) Unter den vielfachen und wechselnden Namen. die