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Nun gilt's ein neues Bilden;
o komm in deiner Kraft
uus himmlischen Gefilden
zur Erde, Wissenschaft!
Man soll dich treulich pflegen,
zu teures Erb' und Gut,
daß noch im Vätersegen
der freie Enkel ruht.
O komm in unsre Säle,
in unsre Schulen komm,
mit rechter Treu uns stähle
und mach' uns wieder fromm!
Frisch auf, du Bürgerjugend,
in Waffen tummle dich!
Das heiß' ich rechte Tugend,
zu kämpfen männiglich.
Aber freilich das alles waren Höhepunkte der Begeisterung. In
den weiten Kreisen der Bürgerschaft sah es anders aus. Hier verstand
nan die Bedeutung der Städteordnung keineswegs. Es war so, auch
diese Reform hat der Nation durch Befehl ihres Königtums gegen ihren
Willen geradezu aufgezwungen werden müssen. Daß der Adel und auch
die alte Schule des Beamtentums über die republikanischen Grundsätze der
Städteordnung unwillig waren, haben wir schon gesehen; fast erschrocken ver—
nahmen sie, daß einer der ersten Staatsbeamten, der Präsident von Gerlach
die Wahl zum Oberbürgermeister von Berlin angenommen habe. Aus
Beamtenkreisen ließ sich eine Stimme in Berlin also vernehmen:
„Der monarchische Staat läuft Gefahr, seine Verfassung zu verlieren, wenn
er dem Volk ohne alle Vorbereitung ein republikanisches Administrationsverfahren
einräumen will. Das Volk, welches bisher immer am Gängelbande geleitet
vurde, kann nicht auf einmal allein stehen, geschweige, daß es auf rauhen und
ingebahnten Wegen allein gehen werde, ohne zu fallen.“
Und ein Berliner Stadtsyndikus sagt entsetzt: „Ich meinerseits möchte
dort nicht Bürger heißen, viel weniger sein.“ Und eine andere Stimme:
„Warum das städtische Regiment wieder größtenteils in die Hände der Bürger
Jeben? Wieviel Patrioten gibt es denn, die ihr eigenes Wohl um des allgemeinen
Besten willen fortwährend hintenansetzen, und wieviel sind denn in der Lage, auch
beim besten Willen es tun zu können?“
Aber auch in den breiten Kreisen der Bürgerschaft herrschte bei
dem völlig ermatteten Gemeinsinn eine arge Gleichgültigkeit und die
Furcht, daß die neue Ordnung Ungelegenheiten bereiten und Zeitverlust
nit sich bringen könne.
In der Tat, welche mächtige Anspannung aller Kräfte des Idealis—
mus, welcher unerschrockene Glaube an die lebenweckende Kraft der
Freiheit hatte bei jenen Männern dazu gehört, dem Bürgertum die
Babe zu bieten, die dazu bestimmt sein sollte, es wieder auf die Stufe
einer einstigen stolzen Größe emporzuheben.
Bei der geschilderten Sachlage ist es nur zu verständlich, daß man
weder in den neuen Magistraten noch in den Stadtverordnetenkreisen den
Beist der neuen Ordnung recht verstand. In Breslau betonte der Ober—
syndikus bei der Einführung der Stadtverordneten, „daß der Magistrat
die allein ausführende Behörde“, daß er „Achtung, Vertrauen und Ge—
horsam“ zu fordern berechtigt sei. Gehorsam — ohne diesen konnten