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Jahresbedarf der Städte an Obligationsanleihen auf etwa 40 Millionen
Mark festsiellen.
Zur Ergänzung sei noch folgende Angabe gemacht: am 1. April 1908
betrug in 110 preußischen Städten von mehr als 25000 Einwohnern
die gesamte städische Schuld (also nicht nur in Jahresobligationen,
sondern auch in Verpflichtungen an Sparkassen, Bankinstitute usw.) die
bedeutende Summe von 2761528000 Mark. — Auch hier können wir
vieder nicht im einzelnen ausführen, wie sich diese Summe auf die
derschiedenen städtischen Werke und Unternehmungen verteilt.
Im Königreich Preußen belief sich die Gesamtschuld
1867 auf 1322,7 Mill. Mark; 1872 auf 1818 Mill., wovon 644,8 Mill.
Eisenbahnschuld, 673,6 Mill. allgemeine Schuld war. Durch Aufkäufe und Neu—
bauten von Eisenbahnen steigerten sich die Schulden in der Folge sehr erheblich, so
daß die Eisenbahnschuld (1904) 3656,6 Mill. Mark, die allgemeine Schuld (1805)
eiwa 3551,6 Mill. Mark betrug. — Im Deutschen Reiche belief sich die Reichs—
anleihenschuld (1904) auf 3028,5 Mill. Mark.
Im Anschluß hieran noch aus dem städtischen Sparkassenwesen:
Im Jahre 1904/5 bestanden in Preußen 724 städtische Sparkassen, bei denen
s199 339 Bücher mit dem Gesamteinlagenbetrag von 3987684877 Mark 46 Pfennigen
uimliefen.
Abschließen wollen wir mit einer kurzen Betrachtung des Unter—
richtswesens. Auf diesem Gebiete haben die Städte seit jeher Aus—
gezeichnetes geleistet. Die allgemeine Volksbildung stammt bekanntlich
aus der Reformationszeit. Luther hatte 1524 ein Sendschreiben an die
Bürgermeister und Ratsherren aller Städte in deutschen Landen
ergehen lassen. Darin heißt es:
Darum will es hier der Obrigkeit gebühren, die allergrößte Sorge auf das
junge Volk zu haben. Denn weil der ganzen Stadt Gut, Ehre, Leib und Leben
ihr zu treuer Hand befohlen ist, so thäte sie nicht recht vor Gott und der Welt, wo
sie der Stadt Gedeihen und Beßerung nicht suchte mit allem Vermögen Tag und
Nacht. Nun liegt einer Stadt Gedeihen nicht allein darin, daß man große Schätze
sammle, feste Mauern, schöne Häuser, viel Büchsen und Harnischzeuge; ja wo deßen
viel ist und tolle Narren darüber kommen, ist es desto ärger und desto größerer
Schade derselben Stadt; sondern das ist einer Stadt bestes und allerreichstes Ge—
deihen, Heil und Kraft, daß sie viel feiner, gelehrter, vernünftiger, ehrbarer, wohl—
erzogener Bürger hat; die können darnach wohl Schätze und alles Gut sammeln,
zalten und recht brauchen.
Das haben die Bürgermeister und Ratsherrn in deutschen Landen
wohl beachtet. Hier liegt einer der größten Ruhmestitel der Städte,
zum Heile des ganzen Staates. Der Staat hat zwar für das Bildungs—
ziel gewissermaßen ein Höchstmaß von Forderungen aufgestellt; die Städte
aber sehen dies fast als Mindestmaß an und gehen in allen Schularten
weit darüber hinaus. Die besten Lehrmittel werden angeschafft, die
größten Gebäude errichtet; Spiel- und Turnplätze den Kindern eröffnet,
Schulärzte angestellt, unentgeltliche Lernmittel an bedürftige Schüler