der Gewißheit einer großen und verheißungsvollen Zukunft ergibt, ist
das bezeichnendste Merkmal des mittelalterlichen Stadtlebens; und nirgends
hat dieser Zug wohl einen bleibenderen Ausdruck gewonnen als in den
großen Bauten der städtischen Verwaltungen aus dieser Zeit mit ihrem
monumentalen Charakter.
Der Markt einer Stadt machte in dieser Zeit einen großartigen
Eindruck. Vielfach der einzige größere Platz innerhalb der Altstadt, fast
stets in deren Mittelpunkt gelegen, erschien er an sich schon als die Ver—
körperung städtischer Betriebsamkeit und bürgerlicher Selbständigkeit.
Vor allem lag an ihm das Bürger- oder Rathaus, das vor
den häufigen Umbauten des 16. Jahrhunderts in seiner monumentalen
Entwickelung nicht selten laut von vergangenen Zeiten, von den geringen
Anfängen bürgerlicher Freiheit und von Kampf und Leid der Ahnen bei
ihrer Wahrung erzählte. Meist war es ursprünglich ein kleines Haus
gewesen, in dem man Recht sprach, das Stadtsiegel und den Privilegien⸗
schein aufbewahrte; dann waren massenhafte Aubauten den wachsenden
Bedürfnissen der städtischen Verwaltung gerecht geworden, bis schließlich
ein ganzer Komplex von Gebäulichkeiten vorhanden war.
Jetzt befanden sich im Rathause vor allem der Sitzungssaal für
den Rat mit den ringsum laufenden Bänken und der besonderen baldachin—
überschatteten Balustrade des Bürgermeisters in der Mitte, oft mit kost—
baren Gemälden und auch mit althergebrachten Sinnsprüchen an den
Wänden, welche Maß in Rat und Urteil predigten. Vergegenwärtigen
wir uns solche Väterweisheit:
Rathaussprüche.
Einer acht's
der andre verlacht's,
der dritte betracht's,
was macht's?
sWernigeroder Rathaus 1492.)
(daneben auf einem Felde:)
Im selben Jahr,
als dieses Haus erneut,
ist auch noch wahr
der Spruch aus alter Zeit.
(Im August 1846.)
Willst richten, daß du Gott gefällst,
o richt' den Nächsten, wie dich selbst.
(Rathaus in Schwyz.
Ruhe im Rat,
Eil' in der Tat!
Rat nach der Tat
kommt zu spat.
Treu unser Herz,
frei unser Wort,
deutsch unser Sinn,
Gott unser Hort.
Das Gut der Stadt
ist wohlverwahrt,
wenn man auch
das Kleine spart.
Petersilie, Preußische Städteordnung.
Die Stadt ist nicht fest
durch Mauer und Stein,
durch Bürgertugend
kann sie's nur sein.
Was helfen Wächter,
Rat und Macht,
wenn Gott nicht selber
schützt und wacht.
Wo Gnad' und Recht
regiert im Land,
da fühlt sich sicher
eder Stand.