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auf sich nehmen und ihnen Eingriffe in ihre innere Verwaltung, in
Polizei- und Zunftwesen gestatten. Der Veränderung des Kriegswesens
durch die bessere Ausbildung der Truppen und die vermehrte Artillerie
vermochte die buͤrgerliche Wehrverfassung nicht zu folgen. Ein Teil der
Reichsstädte freilich behauptet zunächst noch seine Selbständigkeit.
Dem Fürstentum wird es aber auch deshalb leicht, der Städte Herr
zu werden, weil der städtische Wohlstand nicht nur nicht mehr steigt,
sondern sogar sehr bald abnimmt. Die meisten Städte hatten die Größe
erreicht, die ihnen als Marktmittelpunkten von kleinen Sonderwirtschafts-
gebieten zu erlangen möglich war.
Verderblich wurde aber in der Folgezeit für den Reichtum der
Städte, daß seit den großen Entdeckungen des neuen Zeitalters die
Handelsstraßen eine andere Richtung nehmen. Der alte, für Süd—
deutschland besonders als Zwischenhandelsweg wichtige Zug, vom Orient
über Venedig, und von dort über die Alpen nach Deutschland verliert
an Bedeutung. Die Macht der Hansa sinkt. England und die Nieder—
sande treten kräftig als neue Handelsmächte auf.
Aber auch die blühende Zeit des Handwerks war vorüber. Das
einst so glänzende Genossenschaftswesen der Zünfte artete aus und er—
starrte in künstlicher Vorsorge für die Meister; denn allmählich war das
Streben aufgekommen, ihre Zahl zu beschränken und die Erwerbung der
Meisterschaft zu erschweren. Das Handwerk wurde jetzt ein Vorrecht,
oft ein erbliches, für Söhne und Schwiegersöhne und eröffnete nicht mehr
rüchtigen Leuten einen freien Tummelplatz. Solange das Zunftwesen
aur eine Stütze für Vorwärtsstrebende gewesen war, hatte es vortrefflich
gewirkt; sobald aber die Genossenschaft nur als engbegrenzte Versorgungs—
anstalt auf Kosten anderer betrachtet wurde, und, statt die Kräfte frei
zu entfalten, nur danach strebte, Kräfte zurückzuhalten. wurde es
verderblich.
Der unselige Dreißigjährige Krieg zertrümmerte schließlich vollends
noch allen Wohlstand. Handel und Gewerbe ist nach seinem Abschlusse
fast völlig zerstört. Der Ackerbau tritt jetzt unter den Erwerbsauellen
zunächst wieder obenan.
Die Folge dieser Entwickelung war, daß schon sehr bald nach dem
Anfang des vor uns liegenden Zeitraums das Bürgertum nur noch ein,
allerdings wichtiger, sozialer Stand, kein politischer mehr war. Seine
Interessen verengerten sich in der Folge mehr und mehr und waren
ichließlich nur noch auf Nahrung und Erwerb gerichtet. Hiermit be—
zinnt aber auch das frühere stolze Selbstbewußtsein des Buͤrgertums zu
ichwinden. Der Haß gegen die ursprünglichen Herren, vor allem die
Fürsten, schwindet und geht in patriarchalische Verhältnisse. oft genug
schon in eine untertänige Demut über.
Jedenfalls auf allen Gebieten ergibt sich mehr und mehr: das