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„Es gab zu Anfang des 19. Jahrhunderts kein kompaktes, selbstbewußtes,
zu politischer Wirksamkeit befähigtes Bürgertum.“ —
Eine solche Bürgerschaft fanden die Ereignisse des Jahres 1806:
nicht gewöhnt, ihre alltäglichen Angelegenheiten zu besorgen, zeigte sie
sich den Anforderungen des großen Krieges nicht gewachsen. Denn dieselbe
Gleichgültigkeit öffentlichen Dingen gegenüber herrschte wie unter den
Bürgern so in allen Kreisen der Gesellschaft. Man hat gesagt: „An
der Teilnahmlosigkeit des Kapitalbesitzes, des Handels- und Gewerbestandes,
wie des Kleingrundbesitzes, an der egoistischen Verzweiflung des herrschenden
Großgrundbesitzes und Beamtentums war der Staat zugrunde gegangen.“
„Die absolute Regierung hatte ihre Schuldigkeit getan; sie mußte in
eine rühmliche Vergangenheit zurückweichen, um neuen Anforderungen
Raum zu geben. Weil Preußen nicht fortschritt, war es zurückgegangen;
alle Welt hatte das Vertrauen auf das bisherige System verloren.“
Gewiß — dies alles ist richtig. Wir müssen aber doch bei dem Auf—
suchen der Gründe des ungeahnten Zusammenbruchs, dessen Schilderung
wir uns jetzt zuwenden, vor allem auch die bedeutende zahlenmäßige
Ubermacht der französischen Heere und die überragende Bedeutung der
Persönlichkeit ihres Führers in Rechnung ziehen.
Vierter Abschnitt.
Die preußische Städteordnung vom 19. November 1808.
Erstes Kapitel.
Die Stessung der
Städteordnung im Gesamtreformwerk
Stein⸗Hardenbergs.
Der 14. Oktober des Jahres 1806 war herangekommen. Die
Doppelschlacht von Jena und Auerstädt war geschlagen und verloren.
Aus seinem Hauptquartier in Jena schleuderte Napoleon einen haß—
sprühenden Blitz nach dem anderen. Wir teilen im folgenden (nach
Oncken) eine Reihe dieser Kundgebungen mit. So erließ der arggesinnte
Sieger sogleich am Tage nach der Schlacht ein Bulletin der großen
Armee, das mit dem Wort anfing:
„Die Schlacht von Jena hat den Schimpf von Roßbach abgewaschen und in
sieben Tagen einen Feldzug entschieden, der jene kriegerische Fieberhitze gekühlt hat.
die sich der preußischen Köpfe bemächtigt hatte.“
An demselben Tage erging ein Dekret, in dem es hieß: