Full text: Entstehung und Bedeutung der Preußischen Städteordnung

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zeklärten Zeitalter — wo man prüfte und sich mit dem Lobe nicht übereilte — 
bdewunderte, durch einen großen Mann verherrlichte preußische Monarchie nur noch 
in der Geschichte als historisches Phänomen. Ein einziger Krieg, der höchst übereilt 
und unbesonnen angefangen wurde, bei dem man auf eine unbegreifliche Weise 
nichts, gar nichts berechnet, ja die gemeinsten Vorkehrungen unterlassen hatte; wo 
die größte Unordnung bei allen Zweigen des Kriegswesens präsidierte und wo man 
auf eine entfernte kriegerische Hilfe baute, war zum gänzlichen Untergang einer 
großen militärischen Monarchie hinreichend. Was sage ich? Ein Krieg? Nein, 
kein Krieg! Die Welt sah bloß einige Kriegsszenen, die in dem kurzen Lauf eines 
einzigen Monats vorfielen. — So sah man nicht das Sinken eines Staates; nicht 
dessen Erschütterung in seinen Grundfesten, nicht dessen herannahende, drohende Auf—⸗ 
lösung. Nein! Auf so gewöhnliche Dinge war man hier nicht beschränkt. Die 
preußische Monarchie verschwand auf einmal von der Erde, wie ein Schattenbild, 
aAnd mit ihr die von den germanischen Eichenhainen an bis jetzt durch alle Jahr— 
hunderte behauptete deutsche Unabhängigkeit. 
Noch aber war man nicht am Ende. Der Winter bringt zwar 
oorläufig den Kampf zum Stillstand. Auch stellt sich wenigstens die 
Waffenehre im Beginn des folgenden Jahres am 7. und 8. Februar in 
der mörderischen Schlacht bei dem unweit Königsberg gelegenen Preußisch⸗ 
Eylau wieder her. Doch furchtbar duldete das arme Land. Wir besitzen 
ein Schreiben des edlen Scharnhorst aus jenen Tagen. Es heißt da: 
„Die Verwüstung des Landes ist mir schrecklicher als der Krieg selbst. Ganze 
Strecken von zwölf bis fünfzehn Meilen sind verwüstet. Niemand, keine lebendige 
Seele im Dorfe; nur nach der Karte sind die Namen derselben zu erraten — der 
äbrige, von diesen entfernte Teil des Kriegstheaters ist so aufgezehrt, daß auch nichts 
da ist. Kein Huhn, keine Kartoffeln, als die, welche die Leute noch heimlich in der 
Erde haben, womit sie ihr Leben hinhalten — die Pferde laufen auf der Straße und im 
Felde umher — das übrige Vieh aufgezehrt — die Not macht, daß ein jeder tut, was 
er will — der Feind glaubt Recht dazu zu haben, die Rufsen haben keine anderen 
Mittel, und die große Menge der Kosaken sind wild und nicht diszipliniert. — Wir 
tehen seit einigen Tagen auf dem Schlachtfelde vom 8. dieses — die Dörfer noch 
poller Verwundeten, halb oder ganz verhungert; noch gestern fanden wir zwanzig 
»erwundete Franzosen in einigen Häusern eines wüflen Dorfes, die um Brot 
leheten. In dem Quartiere eines angesehenen Gutsbesitzers fanden wir nicht allein 
ein Brot oder sonst etwas, auch er selbst war seiner Kleidung, außer einem 
chlechten Rocke und schlechten Pantoffeln, beraubt. — In einem anderen Hause 
and sich unter dem Dache der Besitzer eines großen Gutes ohne Bekleidung im 
Bette — er war 70 Jahre alt; seine Haushaltsgebäude waren abgebrannt, sein 
Vieh, alles war verloren, die Domestiken weg, sein Haus voller Verwundeten. Er 
var ehemals Oberstleutnant. Noch liegt das Schlachtfeld voller toter Körper — 
an manchen Stellen Mann an Mann. Man behauptet, daß die Anzahl der Pferde 
gegen 15 000 und die der noch liegenden Menschen über 12000 betrage. Dies ist 
eine Berechnung, die auf der Stelle in diesen Tagen gemacht ist, indem man in 
einem Bezirk alle Körper zählie. Die Anzahl der Verwundeten ist vier bis fünf 
Mal größer als der auf der Stelle Gebliebenen; dies weiß man aus allen Kriegen. 
Welch eine Verwüstung, welch ein Morden!“ 
Die Schlacht bei Friedland am 14. Juni bringt dann die volle 
Vernichtung. Der Staat war bis in seine tiefsten Grundlagen erschüttert, 
aber der Friede zu Tilsit am 9. Juli 1807 brachte erst den ganzen 
Jammer völliger Auflösung. Preußen tritt ab: zur freien Verfügung
	        
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