Napoleon täuschte weder sich noch den Grafen Roederer, als er
diesem in einer Unterredung in den Tuilerien am 6. März 1809 sagte:
„Ich habe eine Milliarde aus Preußen gezogen.“
Welches Elend im Lande hatten diese Kontributionen erzeugt!
Hören wir Droysens packende Darstellung über jene Zeiten: „Die Kon—
tinentalsperre tötete den Handel, allein Schlesiens Leinenausfuhr
hatte sonst gegen zehn Millionen Taler gebracht, nun war sie nichts.
Der Landmann war ruiniert; in Ostpreußen war die Pferdezucht auf
den zwölften Teil ihres Bestandes gesunken, auf einem Raum von vier
Quadratmeilen gab es noch drei Kühe; man hatte kein Korn zur Aus—
saat, ganze Gegenden blieben unbebaut; an der Passarge schwanden
ganze Dörfer mit ihren Bewohnern, bald bedeckte Waldwuchs ihre Stelle.
berall Verarmung der einst Wohlhabenden, Brotlosigkeit des Mittel⸗
standes, grenzenlose Not der kleinen Leute; mit Beamten überladen,
hatte der Staat die Mittel nicht, sie zu besolden; Abzüge, Stocken der
Zahlungen, gänzliches Ausbleiben der Gehalte und Pensionen stürzte sie
und ihre Familien, stürzte Witwen und Waisen in Schulden und Elend.
Eine große Zahl Offiziere wurde auf halben Sold gesetzt; so weit ging
die Not, daß (1808) ihnen und den Unteroffizieren bis zur nächsten
Ernte von Staats wegen unentgeltliche Brotvortionen, täglich zwei Pfund,
gereicht werden mußten.
Was allen Jammer aufzählen.
Es sind die unvergeßlichen Segensjahre des Unglücks, von denen
wir zu sprechen haben.
Es war ein Zustand, recht eigentlich dazu gemacht, den furchtbaren
Druck durch alle Klassen der Bevölkerung fühlbar zu machen. Es waren
ungeheure Zeiten. Die gleiche Not riß die Schranken der Stände nieder,
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vereinen“ menschenfreundlichen Helfens, weckte Tugendübungen, wie das
Glück sie nicht kennt, gab der Armut selbst einen sittlichen Adel nie ge—
kannter Art; überall „tausend schöne Züge von Eintracht und Einsicht
und schnell geheilter Torheit“. Auf das rührendste gingen König und
Königin mit dem Beispiel eines tiefumgewandelten Lebens voran. Sie
schrieb in einem Briefe jene Goetheschen Verse: „wer nie sein Brot mit
Tränen aß, wer nie die kummervollen Nächte auf seinem Bette wachend
saß, der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte.“ Zur Taufe ihrer
füngsten Tochter, wie ärmlich waren da die Geschenke an die Hofdamen:
„nehmen Sie es nicht als Geschenk einer Königin, sondern als Geschenk
einer verarmten Freundin.“ In jener Zeit war es, wo der König auf
der Bauernhufe, die Hippel besessen, den Sommer lebte; wie manche
Stunde ernster Betrachtungen ward dort mit Borowsky verlebt, dem
würdigen Geistlichen von Königsberg.