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Kabinetts, einer Kamarilla, und die Entlassung des Ministers Beyme
verlangt.
Er führte zu Steins Entlassung, deren Kunde bei allen Vaterlands—
freunden einen tiefen und schmerzlichen Eindruck hervorrief. Stein zieht
sich auf sein Schloß in Nassau zurück. Dies und die weitere Entwicke—
lung der Dinge ist schon oben (S. 47) kurz gestreift.
Zur Ergänzung des dort Gesagten noch folgendes: Im Sommer
1808 spitzten sich die Ereignisse zu, die zu seinem zweiten Abgange
führten. Mitte August war infolge französischer Spionage ein Brief
Steins, der sehr offenherzige Bemerkungen über die allgemeine Lage
enthielt, aufgefangen worden und zur Kenntnis Napoleous gekommen.
Schon jetzt wurde Steins Stellung unhaltbar. Er bat um seinen Ab—
schied, aber der König wollte seinen Minister nicht verlieren und verweigerte
ihn. Da erschienen Ende Oktober und Anfang November in der Königs—
berger Zeitung zwei Gedichte;: das erste lautete:
„An den, dem es gilt.
Fest, Edler, steh! ein Fels, an dem in grausen Wettern
Des Sturmes Grimm vertobt, der Wogen Drang sich bricht.
Empörtes Element umschlag' ihn rings; zerschmettern —
Verrücken mag es ihn, den Ur-Granit-Stein nicht!
Bleib' unser Hort! Geführt von Dir, mit Dir verbündet,
Hofft noch der Biedermann, hegt unverzagten Mut!
Und unerschüttert steht, unwandelbar gegründet
Der Bau, der fest auf Dir, dem starken Grundstein ruht!
Wer Dich besitzt, ist reich, ist sicher in Gefahren;
Ein Schatz von Geist und Kraft, vereint in Dir, ist Sein.
O mög er sorgsam Dich, dem Volk zum Heil, bewahren,
Dich, seines Diadems kostbarsten Edelstein.“
Es ist hierin schon der Spruch enthalten, den das Volk später seinem
Stein oft gegeben hat:
„Des Guten Grundstein,
Des Bösen Eckstein,
Des Deutschen Edelstein.“
Freilich jetzt wurde die Lage hierdurch nur verschärft. Die Verse
erregten die Wut der Franzosen. die hierin einen unerlaubten Trotz gegen
Napoleon sahen.
Stein bittet am 7. November zum zweiten Male um seine Ent—
lassung. Noch immer nicht kann sich der König entschließen. Doch die
Entlassung wird schließlich zur Notwendigkeit. Aus Spanien kommen
Nachrichten von dem zunehmenden Zorn Napoleons, weil Stein noch
immer im Amte ist. Der Bestand ganz Preußens ist deshalb bedroht.
So legt Stein sein Amt nieder. Durch die oben (S. 48) erwähnte
Kabinettsorder vom 24. November 1808 wird ihm seine Entlassung er—
teilt. Stein begibt sich zunächst nach Berlin und trifft dort nach langer
Petersilie, Preußische Städteordnung.