Full text: Entstehung und Bedeutung der Preußischen Städteordnung

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verflochtenen und verfitzten diplomatischen Federkünste und die Lockerheit 
und Unbestimmtheit so vieler flutenden und schwebenden Dinge zerquälten 
das ungestüme Gemüt Steins, aber oft zeigte er sich doch höchst liebens— 
würdig und heiter; so hatte Gott es ihm ins Herz geblasen, oder so 
schien er doch eine göttliche Weissagung von Glück und Sieg in der 
Brust zu tragen. Wenn er im Üürger uͤber die Schlechtigkeit, Jaͤmmer— 
lichkeit und Feigheit der Menschen oft auch übergereizt war, immer sprach 
er sich mit unerschütterlichster Hoffnung aus und strahlte diese Hoffnung 
aus seinen blitzenden Augen und von seiner schönen Stirn auf uns 
andere herab, die er dann auch ein anderes Mal wohl mit recht 
derben Worten schalt und züchtigte. Ich erzähle wieder: 
Ich und mein Freund Steffens, der Breslauer Professor, jetzt statt 
seines Philosophenmantels in Jägeruniform, Offizier von freiwilligen 
Studenten, welche er gleich andern Professoren vom Katheder zu den 
Waffen aufgerufen hatte, führten vor ihm auch ein Gespräch eben über 
jenes Stück Sachsen, in dessen Hauptstadt wir drei eben saßen, wie schade 
es doch sei, daß man so zaudere: 15000 bis 20000 sächsische Jünglinge 
ausgehoben, dann geübt und mit den rechten Offizieren an der Spitze 
würden ebensogut für ihr deutsches Vaterland streiten als Pommern 
und Mecklenburger. Wir waren bei ihm zu Mittag eingeladen gewesen 
und wagten solches Gespräch nach der Tafel. Da erzürnte er sich, 
sprang auf und rief mit einer Gebärde und einem Ton, als wenn er 
uns zur Türe herauswerfen wollte: „Gehen Sie, meine Herren, so klug 
wie Sie bin ich auch, aber ich bin weder der Kaiser von Rußland noch 
der König von Preußen.“ 
So gab's hier in Dresden manche Lust und Unlust auch für mich, 
in Geschäften meistens nur Kleines und Unwichtiges. * 
Steins Ungestüm, zumal wenn er von seinen gichtischen und po— 
dagrischen Dornstacheln geprickelt war, zeigte sich jetzt selten hell und 
liebenswürdig, er brauste wirklich zuweilen wie ein Sturm auf, der alles 
niederwerfen wollte und der Besänftigung bedurfte, aber in der Miß— 
stimmung vieler gegen ihn war noch etwas anderes. Stein war nicht 
allein ein lebhaftester, heftigster, zornigster Mann, sondern er hatte bei 
großer, körperlicher Unscheinbarkeit doch, was die Salonsleute l'air d'un 
baron nennen. Er war von Gottes Gnaden der Unüberwindlichmutige, 
er war aber durch den Stammbaum seiner Ahnen ein reichsunmittelbarer 
Ritter gewesen und hatte davon auch ein Etwas, das aber in seiner 
Treuherzigkeit und Gradheit und seinem christlichen und deutschen, schönen 
Gemeingefühl mit allem Volk nimmer ganz unterging. Ich für mein 
Teil bin dadurch nie gestört worden, doch stießen die edlen Männer 
Schön und Niebuhr, beide homines novi oder novissimi, sich zuweilen 
daran und beschwerten sich oft bitter darüber. 
Ich hatte vor und mit Stein jetzt ein ganz grades, offenes Leben
	        
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